Freitag 21. September 2018

Friedensaktiv

Frauen für eine gerechte Welt

 

Weltweite soziale Ungerechtigkeit, Ausbeutung von Ressourcen, Umweltzerstörung, wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, ökonomische Ausbeutung und politische Unterdrückung führen jährlich zu Kriegen und bewaffneten Konflikten. Die Austragung gewaltsamer Konflikte findet hauptsächlich auf dem Rücken der Zivilbevölkerung statt. Frauen sind von Kriegsfolgen im Besonderen betroffen und die Bedeutung von Frieden als Überlebensgrundlage ist gerade für Frauen eine zentrale.

 

Frauen und Mädchen sind aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung und ihres Geschlechts besonders von gewaltsam ausgetragenen Konflikten betroffen. Sie erleiden häufig sexualisierte und häusliche Gewalt, werden gezwungen ihre Heimat zu verlassen und sie werden beim Zugang zu Dienstleistungen sowie beim Zugang zu wirtschaftlichen und sozialen Ressourcen überdurchschnittlich benachteiligt.

Massive Frauenrechtsverletzungen in Form von sexueller Gewalt in bewaffneten Konflikten finden unvermindert weltweit statt und hindern Frauen daran, politisch aktiv zu sein bzw. verwehren ihnen den Zugang zu Märkten, Schulen etc. Es mangelt noch an einem effektiven System der Rechenschaftspflicht und der Strafverfolgung.

 

In Konfliktlösungs- und Friedensprozessen sind Frauen formell nur marginal beteiligt und werden in Phasen des Wiederaufbaues in politischer sowie sozio-ökonomischer Hinsicht benachteiligt. Obwohl Frauen auf zivilgesellschaftlicher Ebene einen maßgeblichen Beitrag in Friedensprozessen leisten, mangelt es noch an politischem Willen die Partizipation von Frauen auf allen Entscheidungsebenen zu fördern und Geschlechtergerechtigkeit in allen Bereichen voranzutreiben.

 

„Um Frieden zu schaffen braucht es Mut, sehr viel mehr, als um Krieg zu führen“, sagte Papst Franziskus 2014 in seiner Rede beim Friedensgebet für das Heilige Land.

 

 

Kolumbien – Friedensaufbau nach mehr als 50 Jahren Bürgerkrieg

 

Mehr als 50 Jahre lang tobte im südamerikanischen Kolumbien ein Bürgerkrieg um Landverteilung und die politische Vorherrschaft. Ausgefochten wurde er zwischen Regierungskräften, linken Guerillaorganisationen wie FARC und ELN sowie rechten Paramilitärs. Mittendrin: die Drogenmafia. Das Kokain aus den Anden finanzierte nämlich den Krieg und trug erheblich zu seiner langen Dauer bei. Mädchen und Frauen traf der bewaffnete Konflikt besonders hart, zumal sexuelle Gewalt, Vertreibungen, Landenteignungen und Ermordungen auf allen Fronten als Kriegswerkzeug dienten. 2016 wurde nach vierjährigen Friedensverhandlungen die größte Guerillagruppe FARC entwaffnet, und auch mit der ELN trat die Regierung in Friedensgespräche. Doch Gewalt gegen Frauen steht in dem 49 Millionen Einwohner*innen zählenden Land nach wie vor auf der Tagesordnung – wie etwa in den „Kommunas“ der Großstadt Medellín im Bundesstaat Antioquia. Diese Armenviertel sind voll mit Kriegsflüchtlingen. Konkurrierende Banden erpressen Schutzgeld und der Drogenhandel floriert. Friedensarbeit ist hier nun besonders gefragt.

 

Mehr Informationen zum Thema finden Sie:

 

Nepal – 10 Jahre nach dem Bürger*innenkrieg

 

 

Zehn Jahre nach dem Ende des von 1996 bis 2006 wütenden Bürger*innenkrieges in Nepal stellt sich die Lage für Mädchen und junge Frauen äußerst schwierig dar. Denn ungelöste politische sowie soziale Probleme prägen die Situation im Land und schränken ihre Chancen auf eine fundierte Ausbildung ein. Besonders zugespitzt ist die Lage im ländlichen Raum, fast die Hälfte der dort lebenden Menschen gilt als absolut arm. Zahlreiche Frauen hoffen daher, in der Stadt ihre Lebensmöglichkeiten zu verbessern. In vielen Fällen sieht die Realität jedoch anders aus. So finden sie sich oftmals in ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen wieder oder erfahren häusliche und sexualisierte Gewalt.

 

Die Katholische Frauenbewegung fördert Partner*innen, welche die Lebenssituationen von Frauen nachhaltig verbessern und sich auch politisch dafür einsetzen, dass Armut beseitigt, Frauen gleichgestellt werden und so abseits der Verhandlungstische eine Gesellschaft in Frieden entsteht. In den Förderprogrammen unserer Partner*innen lernen benachteiligte Frauen lesen und schreiben, erfahren Grundlegendes zu Hygiene und (Frauen-)Gesundheit und zu ihren Rechten und erlernen berufliche Fertigkeiten, um ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften. Denn nur Frauen, die genug zu essen haben und ihre Rechte kennen, haben auch die Möglichkeit eine friedvolle Gesellschaft mitzugestalten.

 

Die Katholische Frauenbewegung möchte in ihren entwicklungspolitischen Bildungsveranstaltungen heuer unseren Blick auf diesen dringenden Einsatz unserer PartnerInnen lenken und für diese wichtige Friedensarbeit abseits der offiziellen Verhandlungen sensibilisieren.

 

 

Mehr Informationen zum Thema finden Sie:

 

 

Buchtipps:

  • Bader, Erwin 2008: Ideen zum Frieden. In: Friede. Eine Spurensuche. Hrsg. Von Marion Meyer. Wien: Phoibos.
  • Berlin, Fu und Albrecht, Ulrich 2002: Peace Building after Intervention. http://www.zeit.de/politik/albrecht
  • Bonacker, Thorsten/Imbusch, Peter 2005: Zentrale Begriffe der Friedens- und Konfliktforschung. In: Imbusch, Peter/Zoll,
  • Ralf (Hrsg.): Friedens- und Konfliktforschung. Eine Einführung. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden.
  • Galtung, Johan 1975: Gewalt, Frieden und Friedensforschung. In: Kritische Friedensforschung. Hrsg. von Dieter Senghaas. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
  • Galtung, Johan 2007: Frieden mit friedlichen Mitteln. Friede und Konflikt, Entwicklung und Kultur. Münster: agenda Verlag.
  • Illich, Ivan (1982): Vom Recht auf Gemeinheit. S. 116, Rowohlt Verlag.
  • Koppe, Karlheinz 2005: Zur Geschichte der Friedensforschung im 20. Jahrhundert In: Imbusch, Peter/Zoll, Ralf (Hrsg.): Friedens- und Konfliktforschung. Eine Einführung. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden.
  • Mückler, Hermann 2008: Frieden – eine ambivalente Kategorie. Ethnologische Annäherung und Gedanken zu einem Begriff. In: Friede. Eine Spurensuche. Hrsg. von Marion Meyer. Wien: Phoibos.
  • Paris, Roland (2007): Wenn die Waffen schweigen. Friedenskonsolidierung nach innerstaatlichen Konflikten, Hamburg: Hamburger Edition, HIS Verlag, S. 270.
  • polis aktuell: Krieg und bewaffnete Konflikte – ohne Frauen kein Frieden?! Sondernummer 8, 2010.
  • Senghaas, Dieter (Hrsg.) 2006: Konstruktiver Pazifismus im 21. Jahrhundert. Symposium zum 80. Geburtstag von Dr. Gerald Mader. LIT Verlag, Wien, Berlin.

 

 

Modellprojekte zum Thema Friedensaktiv

 

Sofia Alvarez ist schon lange bei der kolumbianischen Frauenorganisation Vamos Mujer. Gemeinsam mit anderen Frauen ist sie in einer landwirtschaftlichen Genossenschaft organisiert: „Wir machen Frieden, indem wir anpflanzen, denn aus Hunger entsteht Krieg. Und wir leisten Widerstand gegen Gewalt, indem wir aus unserer Gegend nicht weggehen".

 

 

Heera Thapa hat in den Förderprogrammen der nepalesischen Bildungsinitiative Nepal Mahila Bishwasi Sangh lesen und schreiben gelernt. Heute kocht sie für Kantine einer Hochschule und engagiert sich als Sozialarbeiterin in ihrem Viertel.

 

 

Anita Kafle erlebte die Geburt ihres ersten Kindes traumatisch. Die Versorgungslage ihres Dorfes im nepalesischen District Dolakha ist schlecht und ihr Wissen über Medizin und Hygiene war mangelhaft. Heute nutzt sie die Angebote der NGO Rural Reconstruction Nepal, die Frauen wir ihr einen Zugang zu Wissen und Versorgung gibt.

Katholische Frauenbewegung Österreichs Katholische Frauenbewegung Österreichs, Referat für Entwicklungspolitik - Aktion Familienfasttag
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