Thursday 2. April 2020

kfbö fordert Recht auf eine selbstbestimmte Ernährung

 

[PA Wien, 3.3.2020] Für das Recht auf Selbstbestimmung in Fragen von Ernährung und Landwirtschaft hat sich die Katholische Frauenbewegung Österreichs anlässlich ihres Benefizsuppenessens am 2. März in der Wiener Hofburg stark gemacht.
 

 

„Frauen und Mädchen sind es, die weltweit am stärksten betroffen sind, wo Menschen nicht oder eingeschränkt über Ernährungssouveränität verfügen,  wo es an gesunder, kulturell angepasster Nahrung mangelt, wo Interessen von Märkten und transnationalen Konzern die Menschen, die Lebensmittel erzeugen, verteilen und konsumieren, an den Rand der Nahrungsmittelsysteme drängen“

so Veronika Pernsteiner, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs.

 

Auf Einladung von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, seiner Frau Doris Schmidauer und kfbö-Vorsitzender Pernsteiner sind zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik und Kirche in der Hofburg mit zwei Projektpartnerinnen der Aktion Familienfasttag der kfbö aus dem nordostindischen Staat Jarkhand zusammengetroffen. In einer vom Kohle- und Erzabbau dominierten Region arbeiten sie mit indigenen Frauengruppen an der Sicherung gesunder Ernährung, nachdem die Ernährungsgrundlagen  - Wald, fruchtbares Ackerland, ausreichendes und sauberes Wasser – stark beeinträchtigt oder gar zerstört wurden. „Bina Stanis, Mitarbeiterin des Projekts CASS, und Ajitha George, Generalsekretärin des Projekts BIRSA, sind Kämpferinnen, die mit ihrer Widerstandskraft Hoffnung und Zuversicht geben“, würdigte Bundespräsident Alexander Van der Bellen in seinem Grußwort die beiden Frauen wie auch die kfbö, die aus den Spenden der Aktion Familienfasttag einen wichtigen Beitrag dazu leiste.

 

 

Die Benefizsuppenessen der Katholischen Frauenbewegung, die seit mehr als 60 Jahren in der Fastenzeit österreichweit in nahezu allen Pfarren ausgerichtet werden, seien ein Zeichen dafür, dass es möglich sei, eine „bessere Welt“ zu bauen, so der Bundespräsident. Immer mehr junge Menschen, die sich für Umwelt, soziale Gerechtigkeit und Solidarität einsetzten, zielten in die gleiche Richtung. „Ich glaube, dass die Chancen gut stehen“ erklärte Van der Bellen. 

 

Bei einem Besuch der kfb-Projektpartnerinnen in Jarkhand habe er sich selbst von der Wirksamkeit des Engagements der Aktion Familienfasttag für das Recht auf Ernährungssouveränität überzeugen können, berichtete der steirische Diözesanbischof Bischof Wilhelm Krautwaschl, der in Vertretung von Kardinal Christoph Schönborn an der Veranstaltung in der Hofburg teilnahm. Der Slogan der heurigen Aktion „Gemeinsam für eine Zukunft in eigener Hand“  bringe die Arbeit vor Ort auf den Punkt.

 

Im wohlhabenden Norden der Welt gelte es, Lebensstile zu hinterfragen, so Bischof Krautwaschl:

 

„Nehme oder gebe ich mehr? Welche Rolle spielt der Konsum in unserem alltäglichen Leben?“

Bischof Wilhelm Krautwaschl

 

Weniger sei mehr für jene, die weniger Glück im Leben hätten. Auch Krautwaschl zeigte sich zuversichtlich, was die Bereitschaft zum Teilen betreffe: „Die Auferstehung am Ende der Fastenzeit ist ein Zeichen dafür, dass zuletzt das Gute siegt.“  Er ermutige mit dem Motto der Aktion Familienfasttag, so der Bischof: „Teilen spendet Zukunft.“

 

Bundespräsident Alexander Van der Bellen verwies auf positive Zeichen, die die aktuelle österreichische Regierung in ihrem Regierungsprogramm gesetzt habe.

 

„Sind wir bereit zu teilen? Ich glaube, ja“

Bundespräsident Dr. Alexander Van der Bellen

 

„Sind wir bereit zu teilen? Ich glaube, ja“, so Van der Bellen im Blick auf die Absichtserklärungen der Regierung, die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit und Humanitäre Hilfe aufzustocken. Im jüngsten OECD-Bericht werde Österreich gemahnt, mehr zu tun.

 

Kfbö-Vorsitzende Veronika Pernsteiner appellierte an die Regierung, bei den aktuellen Budgetverhandlungen auch umzusetzen, was im Regierungsprogramm angekündigt sei: „Die zugesagte ‚schrittweise’ Erhöhung der Entwicklungsgelder in Richtung jener 0,7 Prozent des Bruttonationalprodukts, zu denen sich Österreich schon vor vielen Jahren verpflichtet hat, muss raschest erfolgen.“ Und: „Mehr Mittel für Humanitäre Hilfe braucht es dringend schon jetzt: im Jemen, in der zentralen Sahelzone, für syrische Flüchtlinge“.

Pernsteiner forderte weiter, Regierungen und Konzerne  für Verstöße gegen Menschenrechte, unter anderem das Recht auf Nahrung und Selbstbestimmung in der Ernährung, zur Rechenschaft zu ziehen sowie sich der agroindustriellen Landwirtschaft zugunsten agrarökologischer Alternativen, die Mensch, Tier und Umwelt respektierten, entgegenzustellen. „Angesichts der besonderen Verletzlichkeit von Frauen muss ein explizites Recht auf angemessene Ernährung von Frauen festgeschrieben werden“, so Pernsteiner, etwas, das im 1966 geschlossenen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Menschenrechte nicht ausdrücklich festgehalten sei.

 

Mehr als 60 Prozent der weltweit von Nährstoffmangel betroffenen Menschen seien weiblich, so Pernsteiner, gleichzeitig trügen Frauen überwiegend die Hauptlast der Ernährungssicherung in der Familie. Patriarchale Strukturen verursachten, dass nur 10 Prozent der Ackerflächen weltweit im Besitz von Frauen seien, die industrielle Landwirtschaft verschärfe die Diskriminierung von Frauen. Ihr technischer Fokus schiebe nachhaltige, geschlechtergerechte politische Lösungen für Probleme wie Mangelernährung an den Rand.  Indigene wie in Jarkhand, Landlose und KleinbäuerInnen – darunter insbesondere Mädchen und Frauen – litten weiter an Mangelernährung.

 

Dabei seien es insbesondere Frauen, Trägerinnen traditionellen Wissens in Fragen von Nahrungsmittelanbau und gesunder, nährstoffreicher Ernährung, die zu nachhaltigen Lösungen beitragen könnten. Das bestätigten die Ordensschwester Bina Stanis und Ajitha George. „Frauen haben einen direkten Bezug zur Natur, sie sind die, die sammeln und anbauen“, so George. In den Projekten CASS und BIRSA ermutigten sie die Frauen, auf ihr indigenes Wissen um Nahrungsmittel und Ernährung zurückzugreifen, Vielfalt und lokal angepasste Pflanzen zu kultivieren.  

 

„Wir wissen, dass Investitionen in Frauen bzw. Frauenprojekte wie ein Motor wirken, wenn es um die Sicherung eines ‚guten Lebens für alle‘ geht“, erklärte anlässlich des Benefizsuppenessens die neue Generalsekretärin der Katholischen Frauenbewegung Österreichs Rita Starkl.

 

„Der Einsatz für ein ‚gutes Leben für alle‘ weltweit heißt aber auch Reduktion und eine Neudefinition des Begriffes ‚Wohlstand‘, vor allem in der industrialisierten Welt“ - so Starkl.

 

Für die Niederösterreicherin, die Politik- und Kommunikationswissenschaft studiert hat, war das Benefizsuppenessen der kfbö der erste Einsatz in der neuen Funktion.  

 

Der Einladung zum Benefizsuppenessen sind auch heuer wieder zahlreiche VertreterInnen aus Politik und Kirche gefolgt, darunter Margit Fischer, Frau des ehemaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer, der Apostolische Nuntius Pedro López Quintana, Bischof Werner Freistetter,  Weihbischof Franz Scharl, der Generalsekretär der österreichischen Bischofskonferenz Peter Schipka, Staatssekretärin Ulrike Lunacek,  Rechnungshofpräsidentin Margit Kraker, Margot Klestil-Löffler,  Sonderbeauftragte des österreichischen Außenministeriums, die Klubobfrau der Grünen Sigrid Maurer, die SPÖ-Frauensprecherin und Nationalratsabgeordnete Gabriele Heinisch-Hosek,   die ehemalige ÖVP-Frauenministerin Maria Rauch-Kallat, Caritas-Präsident  Michael Landau, AK-Präsidentin Renate Anderl, ÖGB-Frauenvorsitzende Corinna Schumann, die muslimische Philosophin und Pädagogin Amani Abuzahra, Frauenring-Vorsitzende Claudia Frieben, Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Frauenhäuser,  der Vorsitzende der Katholischen Aktion Österreichs, Leopold Wimmer, die Geschäftsführerin der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für Entwicklung und Mission KOO, Anja Appel.

 

Durch den Abend führte als Moderatorin die ORF-Journalistin und Leiterin der Abteilung Religion im Fernsehen Barbara Krenn. Die ausgeschenkten Suppen stellten die Tourismusschulen der Wirtschaftskammer Wien,  „Modul“, die Zutaten kamen vom niederösterreichischen Biohof Adamah, zahlreiche Schüler*innen des „Modul“ servierten. Die Flötistin Rina Chandra hat die Benefizveranstaltung mit indischer Musik begleitet.

 

Pressereferentin der kfbö

Mag.a Elisabeth Ohnemus

Tel: 0664-321 89 36

Email: elisabeth.ohnemus[a]kfb.at

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