Sonntag 17. Dezember 2017

Leitlinien

 

Unsere Leitlinien umschreiben das Lebens- und Arbeitsfeld der kfb. Sie benennen Zielpunkte der Arbeit und weisen Wege, damit immer mehr Frauen selbstbewusst ihr Leben gestalten, ihren Glauben teilen und ihre Anliegen und Begabungen in Kirche und Gesellschaft einbringen.

 

Die Leitlinien dokumentieren aber auch den Anspruch, den wir an uns selbst, an die gesellschaftlichen Kräfte und an die Kirche stellen. Sie sind ein Dokument unserer Frauenarbeit, einer Arbeit mit Frauen in Kirche und Gesellschaft.

 

... Gemeinschaft von Frauen

...  Frauen in der Kirche...

... Frauen in der Gesellschaft...

 

 

 

Wir vertrauen auf das Mit-uns-sein unseres Gottes, der uns Vater und Mutter ist
Katholische Frauenbewegung Österreichs

 

Gemeinschaft von Frauen...

Die kfb geht davon aus, dass Frau und Mann Gottes Abbild sind. Frauen und Männer sind mit der Würde der Gotteskindschaft und des „königlichen Priestertums" (1 Petr. 2,9) ausgestattet.

 

Die kfb ist eine Gemeinschaft von Frauen, die einander auf dem Weg der Persönlichkeitsentfaltung begleiten und sich gegenseitig ermutigen, festgelegte Rollenbilder zu überwinden, sowie neue Wege zu gehen.

Die kfb tritt für vielfältige Möglichkeiten der Lebensgestaltung von Frauen ein. Ihr ist bewusst, dass geänderte Lebensbedingungen von Frauen immer wieder neue Entscheidungen erfordern.

 

Die kfb lebt und arbeitet vorwiegend in Gruppen, so wird Gemeinschaft von Frauen erfahrbar.

 

Die kfb weiß sich verbunden mit den vielen Frauen, die in der Geschichte für die Rechte der Frauen eingetreten sind und die Entwicklung der Gesellschaft und der Kirche beeinflusst haben.

 

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Entfaltung der Persönlichkeit

1) Die kfb unterstützt Frauen, ihre Persönlichkeit im religiösen, gesellschaftlichen und individuellen Bereich zu entfalten. Frauen werden in der kfb ermutigt, eigenständig und schöpferisch zu leben.

 

2) Frauen erfahren in der kfb, dass sie füreinander Verantwortung tragen und ihre Anliegen selber zur Sprache bringen müssen.

 

3) Frauen finden in der kfb Zeit und Raum zur körperlichen und geistigen Erholung.

 

4) Die kfb ermutigt Frauen, ihre Geschlechtigkeit bewusst wahrzunehmen, als Bereicherung zu erfahren und zu leben.

 

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Vielfalt in der Lebensgestaltung

5) Frauen erleben in der kfb, dass unterschiedliche Lebensformen und -situationen zu einem geglückten Leben führen können. Singles, Ehefrauen, Mütter, Ordensfrauen, Witwen, Geschiedene, Alleinerziehende, Kinderlose, Hausfrauen, Erwerbstätige, ... lernen gegenseitige Akzeptanz und Toleranz.

 

6) Die kfb unterstützt Frauen, die Vielfalt ihrer Begabungen und Interessen zu entdecken und weiterzuentwickeln, Frauen werden ermutigt, ihre Fähigkeiten in Familie, Wirtschaft, Politik und Kirche einzusetzen.

 

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Leben in Gruppen

7) Die kfb arbeitet vorwiegend in pfarrlichen Frauengruppen. Sie bildet auch Aktions- und Projektgruppen, sowie Gruppen für Frauen in spezifischen Lebenssituationen.

8) Gespräche, Erfahrungsaustausch, gemeinsames Erleben, Erreichen von gemeinsamen Zielen und Weiterbildung ermöglichen Frauen, Gemeinschaft zu erfahren, sowie Kritik- und Konfliktfähigkeit einzuüben.

 

9) Viele Frauen leben in belasteten Situationen, erfahren Lebens- und Beziehungskrisen, sind krank oder behindert. Die kfb fördert das Verständnis für diese Lebenssituationen, weist auf fachliche Hilfen hin und bemüht sich, die betroffenen Frauen in ihre Gemeinschaft zu integrieren.

 

10) Feste und Feiern sind ein wesentlicher Teil des Gruppenlebens der kfb. Frauen werden in der kfb ermutigt, ihre kreativen und musischen Fähigkeiten zu entdecken, zu nutzen und weiterzuentwickeln.

 

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...Frauen in der Kirche...

 

Die kfb ist eine Gemeinschaft in der Kirche. Sie nimmt teil an der Sendung der Kirche und an deren Heilsauftrag. Sie ist Kirche.

Frauen in der kfb teilen ihren Glauben und helfen einander, ihre Berufung zu erkennen, zu bejahen und zu leben.
Gruppen der kfb bemühen sich um die Erfahrung und Verlebendigung des gemeinsamen Glaubens.

 

Als getaufte und gefirmte Christinnen wollen kfb-Frauen gleichberechtigt und partnerschaftlich am Leben der Kirche teilhaben und es gestalten. In der kfb geschieht, was der gesamten Kirche aufgetragen ist: Verkündigung, Liturgie, Diakonie und Communio.

 

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Verkündigung

 

11) Frauen sprechen in den kfb-Gruppen über ihren Glauben und versuchen, eine ihrem Leben und Glauben entsprechende Spiritualität zu entwickeln.

 

12) Die kfb bietet Möglichkeiten zur Vertiefung des Glaubens und Glaubenswissens durch Gesprächskreise, Seminare, Einkehrtage, Exerzitien, ....

 

13) Die kfb ermutigt Frauen, die Bibel bewusst mit den Augen einer Frau zu lesen und die Hl. Schrift als aufrichtende, befreiende, heilende Botschaft zu begreifen, um als mündige Christinnen leben zu können.

 

14) Die kfb spricht sich dafür aus, dass pastorale Tätigkeiten von Frauen in Pfarre, Dekanat, Diözese, Krankenhaus, Exerzitienbegleitung, Schule, ... als Seelsorgearbeit anerkannt und bezeichnet wird.

 

15) Die kfb ist offen für Frauen in Glaubensschwierigkeiten und für Frauen, die sich von der Kirche distanziert haben.

 

16) Die kfb setzt sich mit der feministischen Theologie auseinander, die auf wissenschaftlicher Ebene das Reden von Gott vom Standpunkt der Frauen aus entwickelt. Sie tritt dafür ein, dass an theologische Fakultäten und Hochschulen auch Frauen berufen werden.

 

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Liturgie

 

17) Die kfb spricht sich für die Vielfalt liturgischer Feiern aus, in deren Inhalt und Gestaltung Frauen ihre Lebensrealität wiederfinden. Sie wünschen sich eine verständliche Sprache, die Frauen ausdrücklich nennt und benennt.

 

18) Die kfb ermutigt und befähigt Frauen zur Übernahme aller für sie derzeit möglichen liturgischen Dienste und zur Gestaltung von Gemeindegottesdiensten.

 

19) Die kfb bestärkt Frauen, eigene Formen und liturgische Ausdrucksweisen ihres Glaubens zu praktizieren und diese auch in der Liturgie der ganzen Kirche einzubringen.

 

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Diakonie

 

20) In den Gruppen der kfb sollen solidarisches Verhalten und geschwisterlicher Dienst eingeübt und vertieft werden. kfb-Frauen engagieren sich in vielfältiger Weise für Benachteiligte und Schwache, für nachbarschaftliche Hilfe in ihren Gemeinden und für die Anliegen der Weltkirche.

 

21) kfb-Frauen stehen vor allem Frauen in Not- und Gewaltsituationen in schwesterlicher Solidarität bei.

 

22) Die kfb bemüht sich in ihrem „Dienst am Nächsten" nicht nur die konkrete Not zu lindern, sondern deren Ursachen aufzuzeigen und zu bekämpfen.

 

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Communio

23) Die kfb ermutigt und befähigt Frauen, ihre Charismen in das kirchliche Leben in allen Bereichen und auf allen Ebenen einzubringen.

24) Die kfb bestärkt Frauen, sich in Gremien der Leitung und Mitverantwortung (Pfarrgemeinderat, etc.) zu engagieren. Sie fordert, dass kirchliche Einrichtungen Frauen leitende Aufgaben übertragen und ermutigt Frauen, diese anzunehmen.

 

25) Die kfb erwartet die Zulassung von Frauen zu allen Diensten der Kirche. Die Frage nach dem (Weihe-)Amt der Frau bedarf weiterer ernsthafter Auseinandersetzungen. Das Denken und Reden darüber darf nicht zu einer verbotenen Sache gemacht werden.

 

26) Die kfb bemüht sich um die Zusammenarbeit mit Frauen aus verschiedenen christlichen Kirchen und Glaubensgemeinschaften. Weltgebetstag und ökumenisches Frauenforum sind unter anderem Modelle für konkretes Leben und Handeln in versöhnter Verschiedenheit.

 

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...Frauen in der Gesellschaft...

 

Die kfb weiß sich dem Auftrag des Evangeliums verpflichtet, „die Würde und die Rechte des Menschen zu verteidigen, Situationen aufzuzeigen, in denen die Menschenwürde verletzt wird und selbst dazu beizutragen, dass die Würde und die Rechte des Menschen in Arbeit, Wirtschaft und Gesellschaft verwirklicht werden." (Sozialhirtenbrief Nr. 123)

 

Im Bewusstsein der gleichen Würde von Frauen und Männern tritt die kfb dafür ein, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse so gestaltet werden, dass Frauen und Männer an allen Lebensbereichen gleichberechtigt teilhaben und sie gestalten können.

Die kfb versteht sich als eine Gemeinschaft, die Frauen befähigt, ihren Anliegen und Interessen Gehör zu verschafften und sich aktiv an der Gestaltung des gesellschaftlichen Lebensraumes zu beteiligen. Sie ermutigt Frauen, Funktionen in Interessensvertretungen und politischen Organisationen zu übernehmen.

Um den Anforderungen gerecht zu werden, die mit dem gesellschaftspolitischen Auftrag des Evangeliums verbunden sind, muss politische Bildung ein Schwerpunkt der Arbeit der kfb sein.

 

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Gerechtigkeit

 

27) Die kfb tritt dafür ein, dass wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rahmenbedingungen geschaffen werden, in denen Selbstbestimmung von Ehepartnern, verantwortliche Elternschaft, Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie partnerschaftliche Arbeitsteilung von Erwerbs- und Familientätigkeit möglich sind.

Die Erwerbsarbeit soll so flexibel gestaltet werden, dass Frauen und Männer ihrer Verantwortung für die Familien im gleichen Maß gerecht werden können.

  • Die Möglichkeiten des Wiedereinstiegs in die Erwerbsarbeit sollen verbessert werden.
  • Der Wunsch nach einer Familie darf Frauen nicht zum beruflichen Nachteil werden.
  • Frauen müssen für gleichwertige Arbeit den gleichen Lohn erhalten wie Männer.

28) Die kfb tritt für ein erweitertes Verständnis von Arbeit ein.

  • Erwerbsarbeit und Familienarbeit bedürfen gleichwertiger gesellschaftlicher Anerkennung.
  • Erziehungs- und Pflegearbeit müssen finanziell und sozial abgesichert werden.
  • Ehrenamtliche Tätigkeiten sollen aufgewertet und gesellschaftlich anerkannt werden.

 

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Friede

 

29) Die kfb tritt ein für Abrüstung fordert eine weltweite Ächtung des Krieges als Mittel der Konfliktaustragung.

 

30) Die kfb tritt ein für eine Kultur des Teilens und des weltweiten Umverteilens als Beitrag für eine aktive Friedenspolitik.

 

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Bewahrung der Schöpfung

 

31) Die kfb tritt ein für den Schutz des menschlichen Lebens in allen Phasen.

Sie weist auf die gemeinsame Verantwortung von Mann und Frau, insbesondere als Vater und Mutter hin.

Sie versucht durch Beratung und materielle Unterstützung schwangeren Frauen in Konfliktsituationen zu helfen.

Sie trägt Sorge, dass Menschen auf ein Altwerden und Sterben in Würde vorbereitet werden und den Tod aus der Kraft des Glaubens annehmen können.

 

32) Die kfb sensibilisiert Frauen für einen bewussten Umweltschutz im eigenen Umfeld. Von der Wirtschaft und vom Gesetzgeber fordert sie Maßnahmen, um die wirtschaftlichen Prozesse dem notwendigen Umweltschutz anzupassen. Auf Grund des trotz aller Sicherungsmaßnahmen bleibenden Risikos fordert die kfb einen weltweiten Rückzug von der Nutzung der Kernenergie.

 

33) Die kfb beobachtet kritisch alle Entwicklungen im Bereich der Gentechnik. Sie verlangt strenge, gesetzliche Regelungen und die Einhaltung von ethischen Wertmaßstäben in Forschung und Anwendung der Gentechnik. Sie fordert eine umfassende Information der Öffentlichkeit von Seiten der Forschung und Politik. Die kfb lehnt jede Patentierung des Lebens ab. Insbesondere wendet sie sich gegen die Erzeugung und missbräuchliche Verwendung von Embryonen.

 

34) Die kfb wirkt Tendenzen entgegen, die darauf zielen, den Sonntag um höherer Wirtschaftlichkeit willen in die Arbeitswoche einzubeziehen und widmet der Kultur des Sonntags besondere Aufmerksamkeit.

 

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Frauensolidarität

 

35) Die kfb beobachtet kritisch die politischen Vorgänge im eigenen Land und weltweit. Sie erhebt überall dort ihre Stimme, wo die Rechte von Frauen und sozial Schwachen gefährdet sind.

 

36) Die kfb macht auf die besondere Situation von Frauen in bäuerlichen und industriellen Bereichen aufmerksam, die aus Gründen des Strukturwandels in finanzielle und menschliche Not geraten.

 

37) Die besondere Sorge der kfb gilt der Situation der alleinerziehenden Frauen. Sie unterhält und unterstützt Einrichtungen, die für Gruppen von Alleinerziehenden arbeiten.

38) Die kfb unterstützt Initiativen und Einrichtungen, die Frauen in schwierigen Lebenssituationen helfen. Sie versucht auch, Sprachrohr für solche Frauen zu sein.

 

39) Die kfb bemüht sich um ausländische Mitbürgerinnen und deren Familien. Sie setzt sich für eine Verbesserung der rechtlichen Bestimmungen ein, die die Aufnahme von verfolgten Menschen regeln.

 

40) Die kfb pflegt Kontakte und Partnerschaften zu Frauen anderer Länder und Erdteile. Die Aktion "Familienfasttag" will dazu beitragen, die Lebensbedingungen von Frauen der "Dritten Welt" zu verbessern und gleichzeitig das entwicklungspolitische Bewusstsein in unserem Land zu bilden.

 

41) Die kfb unterstützt Initiativen und Institutionen, die sich für politisch, religiös und rassisch Verfolgte einsetzen.

 

42) Die kfb wendet sich entschieden gegen den Missbrauch und die sexuelle Ausbeutung von Frauen und Kindern. Die kfb leistet Widerstand gegen Pornographie und gegen entwürdigende Darstellung von Frauen in Massenmedien.

 

43) Die kfb sucht die Zusammenarbeit mit anderen nationalen, europäischen und internationalen Frauenorganisationen, die Werte und Visionen vertreten, denen sich auch die kfb verpflichtet weiß.

 

44) Im Rahmen der Neugestaltung des europäischen Raumes sieht die kfb ihre besondere Aufgabe beim Aufbau von christlichen Frauenorganisationen in den Ländern Ost-Mitteleuropas mitzuwirken und den Benachteiligungen von Frauen, die aus dem europäischen Einigungsprozess entstehen, entgegenzutreten.

 

 

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Katholische Frauenbewegung Österreichs, A-1010 Wien, Spiegelgasse 3/2/7
Tel: 01-51552-3695, E-Mail: office@kfb.at
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