Sonntag 17. Dezember 2017

Equal Pay Day: Frauen brauchen existenzsichernde Löhne

 

[Wien, 12.10.2017, HP] Die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen klafft weiterhin auseinander. Die Statistik zeigt: Frauen arbeiten in Österreich im Jahr 2017 80 Tage unbezahlt. Denn könnten Frauen für die gleiche Leistung denselben Lohn wie Männern beanspruchen, würden sie 80 Tage weniger in ihren Berufen arbeiten als sie es tatsächlich tun: Anlässlich des Equal Pay Day am 13. Oktober 2017 in Österreich weist WIDE, das u.a. von der Katholischen Frauenbewegung Österreichs mit getragene entwicklungspolitische Netzwerk für Frauenrechte und feministische Perspektiven, auf die globale Dimension von Ungleichbezahlung und Ungleichheit zwischen den Geschlechtern hin.

 

Sowohl in den Industrie- als auch in Entwicklungsländern sind Frauen in schlecht bezahlten Branchen überrepräsentiert. Ihre Arbeit etwa im Sozial- und Gesundheitsbereich wird gering geschätzt. Das ist ein wesentlicher Faktor für den Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen pro bezahlter Arbeitsstunde.

 

Frauen werden aber auch als billige Arbeitskräfte in den Zulieferbetrieben transnationaler Konzerne in verschiedenen Branchen, etwa der Textilindustrie, in Ländern des globalen Südens massiv ausgebeutet. Trotz unzähliger Überstunden reicht ihr Lohn oft nicht für das Allernötigste, von einer Überwindung der Armut gar nicht zu reden.

 

Weltweit leisten Frauen dreimal mehr unbezahlte Arbeit

 

Die globale Ungleichheit zwischen den Geschlechtern manifestiert sich in niedrigeren, oft nicht existenzsichernden Einkommen von Frauen, einem hohen Ausmaß an unbezahlter Pflege- und Hausarbeit, mangelndem Zugang zu wirtschaftlichen Ressourcen und Produktionsmitteln, benachteiligenden gesellschaftlichen und rechtlichen Normen bis hin zum Ausschluss von Bildungssystemen, wie auch im UN-Abschlussdokument zur internationalen Konferenz „Commission on the Status of Women“ 2017 in New York festgehalten wurde.

 

Nach aktuellen Angaben von UN-WOMEN leisten Frauen global gesehen dreimal mehr unbezahlte Haus- und Sorgearbeit als Männer. Nur 52% aller verheirateten oder in einer Beziehung lebenden Frauen können frei über ihre Sexualität, Verhütung und Gesundheit entscheiden. 750 Millionen heute lebender Frauen und Mädchen auf der Welt wurden vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet, und zumindest eine von fünf Frauen ist von Gewalt in der Partnerbeziehung betroffen. „Diese Diskriminierungen tragen dazu bei, dass Frauen in viel größerem Ausmaß als Männer in Armut und prekären Verhältnissen leben, und dass sich Armut als Kreislauf perpetuiert“, konstatiert WIDE-Obfrau Edith Schnitzer.

 

„Halbe-halbe“ in den Zielen für nachhaltige Entwicklung

 

„Um die fortschreitende Ungleichheit zu stoppen, muss an vielen Schrauben gedreht werden“, meint Schnitzer zum Lösungspotenzial der nachhaltigen Entwicklungsziele. „Fakt ist, dass das Ziel 5 zur Geschlechtergleichstellung nicht zu erreichen sein wird, wenn die Diskriminierung von Frauen am Arbeitsmarkt sowie im öffentlichen und privaten Bereich nicht auf allen Ebenen bekämpft wird.“

 

Um Frauen ein Leben in Würde zu ermöglichen, müssen insbesondere auch die Aktivitäten transnationaler Konzerne, die ihre Produktion in Länder mit niedrigem Lohnniveau und niedrigen Umweltschutzstandards auslagern, auf Basis von Menschenrechtsstandards reguliert werden.

 

Politik von und für Frauen muss in der politischen Agenda ganz nach oben

 

Denn große transnational agierende Konzerne sind aufgrund ihrer Wirtschaftskraft in der Lage, Arbeitsrechte auszuhebeln, und ihre Steuervermeidungsstrategien führen zu Knappheit der öffentlichen Kassen und fehlender sozialer Sicherheit. WIDE fordert, dass sich die österreichische Bundesregierung im UN-Menschenrechtsrat aktiv für ein verbindliches Abkommen zur Regulierung transnationaler Konzerne einsetzt und so dazu beiträgt, dass Arbeiterinnen künftig von ihren Löhnen leben können!

 

Außerdem braucht es in der Entwicklungspolitik mehr Engagement zugunsten gezielter Frauenförderung. „Als entwicklungs- und frauenpolitisches Netzwerk fordern wir von der zukünftigen Bundesregierung, der Gleichstellung von Frauen in der internationalen Zusammenarbeit allerhöchste Priorität einzuräumen. Die Regierungsverantwortlichen müssen die nachhaltigen Entwicklungsziele dabei als Rahmenwerk ernst nehmen und gesamtheitlich umsetzen“, so Schnitzer, und verweist auf die Forderungen der von WIDE mitgetragenen NGO-Allianz „SDG-Watch“ (www.sdgwatch.at).

Pressereferentin der kfbö

Mag.a Elisabeth Ohnemus

Tel: 0664-321 89 36

Email: elisabeth.ohnemus[a]kfb.at

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