Wednesday 22. May 2019

Frauen in Österreich mehrfach benachteiligt

 

[Wien, 29.4.2019, PA] Nachteile am Arbeitsmarkt, in der Entlohnung und in Folge auch bei erwerbsabhängigen Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld, Krankengeld oder Pension treffen Frauen nach wie vor hart, verstärkt werden diese Nachteile durch eine Reihe von Maßnahmen, die die Regierung in den vergangenen Monaten beschlossen hat: „Es ist ein Hohn, das neue Mindestsicherungs- bzw. Sozialhilfekonzept als Maßnahme zur Integration in den Arbeitsmarkt zu präsentieren“, so Veronika Pernsteiner, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs anlässlich des „Tags der Arbeitslosen“ am 30. April und des „Tags der Arbeit“ am 1. Mai: „Rund 70 Prozent der derzeitigen MindestsicherungsbezieherInnen, darunter mehr Frauen als Männer,  sind AufstockerInnen, d.h. sie verdienen so wenig, dass sie zusätzlich zu ihrem Erwerbseinkommen eine Sozialleistung benötigen, um ihre Existenz sichern zu können“. Frauen verdienen generell weniger als Männer, sie arbeiten in Niederiglohnbranchen, sie arbeiten in Teilzeit, weil sie Kinder betreuen oder Erwachsene pflegen, sie stellen das stark überwiegende Gros der Alleinerziehenden: „Es trifft sie zusätzlich, wenn das neue Sozialhilfekonzept die Sätze für Kinder in Mehrkindfamilien staffelt, also die Zuwendungen mit steigender Kinderzahl senkt, wenn Zuschläge für Alleinerziehende lediglich als „Kann“-Bestimmungen definiert werden, die von den Ländern unterschritten werden können“, so Veronika Pernsteiner: „Das ist ein Skandal. Armut und Ausgrenzung werden mit dem neuen Gesetz vorangetrieben, der soziale Frieden wird gezielt gefährdet“.

 

Zum sozialen Ausgleich und zur Geschlechtergerechtigkeit trage es auch nicht bei,  „wenn ein 12-h-Tag die Vereinbarkeit von Beruf und Familie weiter erschwert und Frauen somit vom Arbeitsmarkt verdrängt“, erklärt Veronika Pernsteiner, „wenn 1,5 Milliarden Euro nicht in den Ausbau einer flächendeckenden Kinderbetreuung und damit in die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie investiert werden, sondern in einen ´Kinderbonus´, der Einkommensstarke bevorzugt und Einkommensschwache benachteiligt“. Frauen hätten vor dem Hintergrund derartiger Maßnahmen wenig Chancen auf gerechte Teilhabe an Erwerbseinkommen und sozialer Sicherung.

 

Mit seinem „gender pay gap“, also der Differenz zwischen den Einkommen von Männern und Frauen, liegt Österreich EU-weit im Spitzenfeld: rund 38 Prozent liegt das Bruttojahreseinkommen von Frauen unter dem von Männern. In der Pension beträgt der „gap“ 51 Prozent. In sogenannten Niedriglohnbrachen, also Branchen, in denen der monatliche Bruttoverdienst in einer Vollzeitanstellung weniger als 1500,- Euro ausmacht, sind zu zwei Dritteln Frauen beschäftigt. „Wenn man unter diesen Umständen eine Sozialleistung benötigt, ist das Existenz bedrohend“, erklärt Veronika Pernsteiner und verweist etwa auf die Höhe des Arbeitslosengeldes, das bei 55 Prozent des vorausgegangenen Nettoeinkommens zu liegen kommt. In Österreich liegt der gender gap im Niedriglohnsektor so hoch wie nirgendwo anders in der EU: 25 Prozent der beschäftigten Frauen, aber nur 8 Prozent der beschäftigten Männer haben einen solchen Niedriglohn.

 

47  Prozent aller beschäftigten Frauen in Österreich arbeiten in Teilzeit - noch ein Wert, der in der EU kaum überboten wird -, bei den Männern sind es elf Prozent: „Nach wie vor liegt der weit überwiegende Teil der Sorgearbeit bei den Frauen“, so Veronika Pernsteiner, was wiederum mit den geringeren Chancen von Frauen auf ein gutes, mit Männern vergleichbares Einkommen zusammenhänge. Extrem prekär werde es für Alleinerziehende, zu 90 Prozent Frauen. Ein Viertel davon ist arm trotz Arbeit. Die Gruppe der Alleinerziehenden zählt zu den am stärksten von Armut gefährdeten und betroffenen Bevölkerungsgruppen: „Es trifft Frauen, und es trifft Kinder. Mehr als ein Drittel der aktuellen MindestsicherungsbezieherInnen sind Kinder“. Maßnahmen wie sie das geplante neue Sozialhilfegesetz vorsehe, leiste der Kinderarmut in Österreich Vorschub, so Pernsteiner.

 

Erschwerend wirkten insbesondere für Frauen Neuerungen, die die öffentliche Infrastruktur und Leistungen der öffentlichen Hand schmälerten anstatt sie auszubauen. So gebe es massive Kürzungen bei Frauenprojekten, das aktuelle Frauenbudget liege hinter jenem aus 2017. 2019 seien keine Bundesmittel für den Ausbau der Kinderbetreuung vorgesehen, die Mittel für die Ganztagesschulen de facto halbiert worden, wie die Arbeiterkammer darlegt. Ihren Berechnungen zufolge könnte aus den Mitteln, die für den „Familienbonus“ bereit gestellt wurden, flächendeckend ganztägige Kindergartenplätze in ganzjährig geöffneten Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden, die Frühförderung ausgebaut, zusätzliches pädagogisches Fachpersonal eingestellt und ein zweites kostenloses Kindergartenjahr für alle finanziert werden.

 

„Die Katholische Frauenbewegung Österreichs zieht anlässlich des ´Tags der Arbeit´ eine düstere Bilanz“, erklärt Veronika Pernsteiner: „Wir fordern  einmal mehr nachhaltige Maßnahmen zur Schließung des gender pay gaps, zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, zur Sicherstellung einer geschlechtergerechten Verteilung von Erwerbsarbeit und Sorgearbeit sowie zur Existenzsicherung durch Löhne und Sozialleistungen. Die Entkoppelung von Erwerbsarbeit und sozialer Sicherung muss ernsthaft debattiert, entsprechende Modelle müssen erprobt werden.“

 

 

Pressereferentin der kfbö

Mag.a Elisabeth Ohnemus

Tel: 0664-321 89 36

Email: elisabeth.ohnemus[a]kfb.at

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