Mittwoch 13. Dezember 2017

"Engel von Ausschwitz" Maria Stromberger im Kloster Wernberg geehrt

Grußwort der kfbö-Vorsitzenden

 

Sehr geehrte Fest-Gäste,

zuallererst möchte ich danken –  zum einen für die Initiative, mit diesem Festakt den Fokus auf eine große, weithin vergessene Frau gerichtet zu haben und sie zu ehren; zum anderen für die Einladung zu diesem Festakt und die Gelegenheit, diese Ehrung öffentlich mitzutragen.

 

Ich verneige mich im Namen von 150.000 Frauen in Österreich vor Maria Stromberger. Einer Frau, die bis zu ihrem Lebensende und weit darüber hinaus kaum Aufmerksamkeit erfahren hat und doch zu den Menschen zählt, auf die unser aller Augen gerichtet sein sollten: weil sie gezeigt hat, was Menschlichkeit heißen und wirken kann, auch und gerade da, wo Unmenschlichkeit herrscht. Maria Stromberger hat etwas sehr Einfaches, etwas sehr Großes gemacht: sie ist ihrem Gewissen gefolgt. Unbeirrt von Meinungen, politischen Konzepten oder Vorgaben, Gesetzen, ja der Drohung, das eigene Leben zu verlieren.

 

„Andere stellten sich blind und taub, wenn sie etwas erfuhren“, schreibt Hermann Langbein, Auschwitz-Überlebender und Autor des Buches „Menschen in Auschwitz“, „Maria Stromberger suchte die Wahrheit“. Sie hat nicht weg geschaut und weg gehört, sie ist dem „nachgegangen“ , was sich ihr an  Ungeheuerlichem in den Weg gestellt hat, ist ihm im wahrsten Sinn des Wortes „entgegengetreten“. Zunächst den Gerüchten, dann  den Zeugenberichten, schließlich der tagtäglichen Realität. Von Bregenz in Vorarlberg nach Krolewska Huta in Polen,  dann nach Auschwitz. „Wissen“ wollte sie, was sie „glauben“ konnte. Dafür hat sie jede Spur verfolgt, auch die „Phantasien“, die Häftlinge im Fieberwahn hinausgeschrien haben. Sie hat sie sich zugemutet, diese Wahrheit, von der eine andere Kärntnerin – Ingeborg Bachmann – geschrieben hat, dass sie „dem Menschen zumutbar“ sei. Denn: Maria Stromberger war berührbar. Sie hat mit einem offenen Herzen gelebt, dem Signum wahrer Demut.

 

Und eine solche Demutshaltung bringt mit sich, sehr konkret zu werden: mutig zu sein, Zivilcourage zu üben, Widerstand zu leisten, Wege abseits von „Normalität“ und Normen zu beschreiten. Weil das Herz, weil die Liebe treibt. Weil „Barmherzigkeit“ es nicht anders zulässt.

 

Maria Stromberger hat keiner Partei angehört, keine Ideologie verfolgt – sie ist als Mensch Menschen begegnet. Als solcher hat sie in Auschwitz getröstet, gelindert, geheilt, gelogen, gestohlen und Waffen geschmuggelt. Nach Auschwitz blieb ihr kaum etwas: „Ich fühle mich so leer und ausgeschöpft“, hat sie in einem Brief an einen ehemaligen Häftling geschrieben, „meinen Reichtum an Liebe habe ich, so scheint mir, in Auschwitz verstreut.“

Es war da kaum jemand, der hinschauen, hinhören wollte, der aufgefüllt hätte, was am Ausrinnen war. Kaum jemand ist Maria Stromberger nachgegangen, um herauszufinden, was sie wusste, erlebt, mit ihrem ganzen Menschsein durchschritten hatte. Kaum jemand stellte sich diesem Ungeheuerlichen jetzt, zum Zeitpunkt des Aufbaus der Zweiten Republik.

 

Nicht einmal der Zahnarzt in Bregenz hat Maria Stromberger zugehört, als er der Textilarbeiterin im Mai 1957 zehn Zähne auf einmal zog, obgleich ihn diese Textilarbeiterin auf ihre Herzprobleme hingewiesen hatte. Sie hat es nicht mehr zurück in ihre Wohnung geschafft. Vor der Tür ist sie tot zusammengebrochen.

Und dennoch: was Maria Stromberger gelebt hat, leuchtet weit über ihre Zeit, über ihr tragisches Ende in Bregenz hinaus. Es leuchtet hinein in unsere Gegenwart und ist uns Ermutigung und Herausforderung.

 

Wie genau hören und schauen wir hin? Wie kommen wir ins Handeln? Wie sieht es mit unserer Berührbarkeit aus?

 

Wir müssen uns das fragen in einer Zeit, in der der Ton im öffentlichen Diskurs rauer wird, in der Diskreditierungen und Schmähungen, Hetze und das Schüren von Ängsten und Hass - insbesondere in den sozialen Medien, aber auch auf der politischen Bühne -  „normal“ zu werden scheinen. In der der Verfassungsschutz einen Anstieg von Tathandlungen mit rechtsextremistischem, fremdenfeindlichem, rassistischem oder antisemitischem Hintergrund um mehr als 50 Prozent gegenüber 2014 meldet.

In der ein Präsidentschaftskandidat zum „Fest der Freude“ am 8. Mai  - dem Gedenken der Befreiung vom nationalsozialistischen Regime sowie der Opfer des Nationalsozialismus - zunächst feststellt, dass der 8. Mai für ihn kein „Tag der Freude“ sei, weil der Krieg viele Menschenleben gefordert habe; und somit bewusst vom unbestrittenen und eigentlichen Fokus dieses Festes am Heldenplatz ablenkt, um anderen Assoziationen Platz zu schaffen.

Zur „Wachsamkeit“ hat Innenminister Wolfgang Sobotka beim „Fest der Freude“ aufgerufen. Auch 1933 habe es mit Schmierereien begonnen, heute, so Sobotka, „finden wir sie wieder“. Sein Appell: „Wehret den Anfängen“.

Wir schauen dabei auch auf Maria Stromberger, nehmen sie mit in unsere Zeit und auf unseren Weg durch diese Zeit.

 

Im Namen von 150.000 Frauen, die in der Katholischen Frauenbewegung vereint sind, verneige ich mich vor dieser Kärntner Krankenschwester, der Bregenzer Textilarbeiterin - und richte mich wieder auf, um ihr in die Augen zu schauen und Aug in Auge, Hand in Hand, in die Zukunft zu gehen!

 

Danke!

 

Veronika Pernsteiner, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs

18. Mai 2016, Kloster Wernberg

Pressereferentin der kfbö

Mag.a Elisabeth Ohnemus

Tel: 0664-321 89 36

Email: elisabeth.ohnemus[a]kfb.at

Pressephotos der Vorsitzenden

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