Sunday 20. October 2019

Geschichte der kfb durch das Wirken von Frauen erzählt

Emanzipation der Gehilfinnen

 

Werk der Priester

Kirchliche Frauenarbeit wurde über Jahrzehnte von den Frauenseelsorgern geprägt. Die  Priester wollten über die Frauen eine christliche Erziehung der Kinder erreichen, christliche Werte stärken, den Verfall der Sittlichkeit entgegenwirken und die Ehen stabilisieren. Mit diesem Ziel wurde bereits 1906 in Österreich die Katholische Frauenorganisation (KFO) initiiert, deren Schwerpunkt vor allem im caritativen Engagement und in der Aus- und Weiterbildung von Frauen lag.
1938 wurde diese Organisation von Hitler aufgelöst. Die Referate für "Frauenseelsorge" in verschiedenen Diözesen versuchten unmittelbar nach Kriegsende die kirchliche Frauenarbeit neu zu organisieren.

 

Schlagkräftiges Instrument

Dr.in Berta Wolf,

1.  Vorsitzende der kfbö, 1947:"Gehilfin, Ergänzung ist sie, die zweite Hälfte des Menschen, ohne sie gibt es keine Vollendung. Wenn der Mann die Krone der Schöpfung ist, so ist die Frau die Krone des Mannes."

Die Österreichische Bischofskonferenz strebte eine gesamtösterreichische Arbeitsgemeinschaft der Katholischen Frauenbewegungen der einzelnen Diözesen an.
Diese sollte in der Phase des Wiederaufbaus nach Kriegsende - wie dies der damalige Referent für Frauenfragen in der Bischofskonferenz, der Salzburger Fürsterzbischof Dr. Andreas Rohracher, formulierte - ein "schlagkräftiges Instrument sein, durch das im privaten und öffentlichen Leben und auch in der Gesetzgebung (Jugend-Schul-Ehegesetze) zum Wohl der österreichischen Frauen und damit des ganzen Volkes die christlichen Grundsätze wahrer Sittlichkeit durchgesetzt werden können."
Im Wallfahrtsort Maria Plain bei Salzburg fand im Mai 1947 die Gründungsversammlung statt. Die Mittelschullehrerin Dr.inBerta Wolf wurde die erste Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs. Sie definierte die Rolle der christlichen Frau als "Gehilfin" des Mannes, der Kinder, aller Menschen.

 

 Blick über den Kirchenzaun 

Ihre Nachfolgerin Prof.in Herta Pammer - von 1957 bis 1978 kfbö-Vorsitzende - vertrat bereits ein wesentlich emanzipierteres Frauenbild. Zielstrebig und selbstbewusst leitete sie die kfbö, sah im Frauenseelsorger, dem sogenannten geistlichen Assistenten, einen Ratgeber, entschied aber letztlich meist eigenständig. Pammer suchte den Dialog mit der Bischofskonferenz, scheute aber auch nicht die Konfrontation. Sie setzte sich für eine vielseitige Weiterbildung der Frauen durch die kfb ein und prägte die österreichische Entwicklungsförderung. Mit der Gründung der Aktion Familienfasttag im Jahr 1958 animierte Pammer die kfb-Mitglieder über den eigenen Kirchenzaun zu schauen, sich mit der Situation der Frauen in aller Welt auseinanderzusetzen.

Prof.in Herta Pammer:

"Der Aufruf zum Teilen, zur weltweiten Solidarität hat die kfb grundlegend geändert", erinnert sich Dr. Inge Loidl, die von 1978 bis 1987 die Geschicke der kfbö leitete. "Die Frauen gewinnen damals wie heute durch die begleitenden Bildungsmaßnahmen nicht nur an Wissen, sondern auch an Verantwortung. Denn jede Gruppe wird ermuntert, diese Aktion zu unterstützen. Da wird nicht nur Kreativität verlangt, sondern auch die Selbständigkeit gefördert."

"Bildung ist wichtig. Plaudern brauchen wir nicht. Soll schon etwas Ernstes werden."

 

 

 

Offen für vielfältige Aktivitäten

Dr.in Inge Loidl:
"Das war eine wichtige Entwicklung in der kfb, dass die Frauen erkannt haben, sie selbst sind Kirche."

Neben der Entwicklungsförderung gibt es aber eine Fülle von Aktivitäten der kfb-Gruppen in den Pfarren. Dr.in Inge Loidl setzte sich energisch bei unzähligen Pfarrbesuchen dafür ein, dass die Frauen selbst ihr Gruppenprogramm bestimmen sollten und nicht der Pfarrer. "Das war eine wichtige Entwicklung in der kfb, dass die Frauen erkannt haben, sie selbst sind Kirche. Die kfb hat hier eine wichtige Bildungsarbeit geleistet."
Der Erfolg der kfb beruht nach Ansicht der ehemaligen Vorsitzenden darauf, "dass sie so offen ist. Während die einen in ihrer Gruppe Erziehungsprobleme diskutieren, konzentrieren sich andere auf Liturgiegestaltung, informieren sich über gesunde Lebensformen, turnen, feiern, wandern miteinander."

 

 

 

Politisch aber unabhängig von Parteien
Dr.in Inge Loidl unterstreicht vor allem auch die parteipolitische Unabhängigkeit: "Wir haben nie gesagt, diese oder jene Partei soll eine Frau wählen, sondern stets: ‚Geht zur Wahl!' Jede Frau soll die Programme der einzelnen Parteien studieren und selbst entscheiden. Wichtig war uns nur, dass sie sich dabei von niemand - auch nicht vom Mann - beeinflussen lässt."

 

 

Fraueneinheitsbild aufbrechen 

Loidls Nachfolgerin, Ingrid Klein, von 1987 bis 1999 kfbö-Vorsitzende, wurde nicht müde, das vorherrschende traditionelle, viele Frauen belastende, kirchlich oft auch noch marianisch überhöhte Fraueneinheitsbild aufzubrechen. Sie setzte sich dafür ein, dass in den kfb-Gruppen Frauen mit unterschiedlichsten Biographien und in verschiedenen Lebenssituationen respektiert und die Vielfalt der Lebensformen in ihrem Reichtum, aber auch in ihren Fragen und Schwierigkeiten ernst genommen werden. Die unter ihrer Leitung im Rahmen eines Basisdiskussionsprozesse neu formulierten Leitlinien der kfbö sind Ausdruck dieser gelebten Vielfalt und des Engagements der kfb-Frauen in Kirche und Gesellschaft.

 Ingrid Klein

 Klein: "Die kfbö muss stets Botschafterin des Evangeliums und Anwältin der Menschen, vor allem der Frauen, sein. Sie muss sich stets sorgen um eine Balance zwischen Hände falten und Mund aufmachen, denn Gottes-Dienst und politisches Engagement sind in gleicher Intensität und gegenseitiger Befruchtung zu leisten".

 

 

Von der Helferin zur Partnerin

Margit Hauft:
"Wenn es gelingt, aus der Sammelbewegung der Gründerzeit über die Phase des extremen pfarrlichen Engagements zu einer noch spürbaren Bewegung für die Frau - für die Kirche - für die Gesellschaft zu werden, dann ist mir um den Fortbestand der kfb nicht bange."

 

 

 

 

 

Margit Hauft, von 2000-2012 Vorsitzende der kfbö, rief angesichts der Jahrtausendwende zur Besinnung auf die Wurzeln der kfb, zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit auf. Sie appellierte an die kfb-Frauen, das Gestern zu erkennen, das Heute zu sehen und das Morgen zu gestalten. Ihr war bewusst, dass die Wirksamkeit des schon jetzt großflächigen Engagements der Frauen in der Kirche weitgehend davon abhängen wird, "ob es gelingt, vom Helferin sein zu einer respektierten Partnerschaftlichkeit zu gelangen". Denn das Ziel der kfb ist und bleibt eine gleichberechtigte und partnerschaftliche Teilhabe der Frauen am Leben der Kirche und der Gesellschaft.

Margit Hauft ließ nie Zweifel aufkommen, dass die Katholische Frauenbewegung selbstbewusster Teil der Kirche und nicht unbegrenzt einsetzbare Hilfstruppe des Pfarrers und der Pfarrgemeinde ist. Die Mitglieder der kfb wollen als getaufte und gefirmte Christinnen das Leben in der Kirche gestalten und als Partnerinnen ernst genommen werden. Diese Emanzipation der Frauen in der Kirche ist ein mühsamer und langwieriger Prozess, der noch nicht beendet ist.

 

 

Auf dem Weg zum neuen Wir

Barbara Haas, Vorsitzende der kfbö von 2012 – 2015, hat ihr Engagement für die Katholische Frauenbewegung in der Aktion Familienfasttag der Diözese Innsbruck begonnen. Ihre Zeit als Vorsitzende war begleitet vom kfb-Bildungsschwerpunkt „Heute Christin sein“ - eine besondere Herausforderung für Haas angesichts der Tatsache, dass Glauben nicht mehr als etwas „Vererbtes“ gelten kann, vielmehr als „bewusste Entscheidung“ entwickelt werden will. Fundament ihres Verständnisses davon, was kfb ist und sein soll, war für Barbara Haas unter anderem die These der holländischen Dogmatikerin Manuela Kalsky von der Notwendigkeit eines neuen „Wir“ für die Kirche, das nur in Beziehung zur Gesellschaft, nicht in Abgrenzung von ihr möglich wird. Für Barbara Haas bedeutete das intensive Vernetzungsarbeit und den Anspruch, sich als Katholische Frauenbewegung aktiv und kontinuierlich in die öffentliche Debatte um die Fragen der Zeit einzubringen. „Frieden und Gerechtigkeit, eine gerechte Verteilung von Mitteln und Lebenschancen sind das Gebot der Stunde. Ob es um die Organisation der Sorgearbeit in Österreich oder die Arbeitsbedingungen und Löhne von Textilarbeiterinnen in Indien geht: es braucht eine Kultur der Solidarität“.

      

 

Barbara Haas:

"Wichtig ist, dass sich eine Katholische Frauenbewegung in Beziehung zur Gesellschaft setzt und definiert, zu Menschen unterschiedlichster Herkunft, Milieus, Religionen, Traditionen und Lebensweisen. Ein ´Wir´ gibt es nicht in Abgrenzung. Ein ´Wir´ gibt es nur in Beziehung.“

Pressereferentin der kfbö

Mag.a Elisabeth Ohnemus

Tel: 0664-321 89 36

Email: elisabeth.ohnemus[a]kfb.at

Pressephotos der Vorsitzenden

zum Download

Pressereferentin der kfbö

Mag.a Elisabeth Ohnemus

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