Friday 6. December 2019

Flucht und Migration: Europa am Scheideweg

Weltkirche gibt ChristInnen klare Orientierung in einer Zeit bedenklicher Verschiebungen von Wertehaltungen

 

[Wien, 25.9.2019, PA] Auf den vielfach „ungehobenen Schatz“ unmissverständlicher Lehrmeinungen der katholischen Kirche zu Fragen des Umgangs mit Migration und Flucht verweist die Katholische Frauenbewegung Österreichs gemeinsam mit der Wiener Pastoraltheologin und Beraterin der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz Regina Polak, Professorin am Institut für Praktische Theologie der Universität Wien. Die gegenwärtige Debatte um Migration und Flucht in Österreich wie auf europäischer Ebene reduziere sich auf den Gedanken des „Schutzes vor“ ZuwandererInnen und Flüchtlingen, so Regina Polak und kfbö-Vorsitzende Veronika Pernsteiner: „Grund- und Menschenrechte werden durch die aktuelle Migrationspolitik unterminiert, und das führt zu bedenklichen Verschiebungen in der Wertehaltung der Bevölkerung.“ Das betreffe auch Christinnen und Christen. Demgegenüber stünde das klare Bekenntnis des katholischen Lehramtes, Menschen in bedrohten Lebenslagen „aufzunehmen, zu schützen, zu fördern und zu integrieren“.

Das bekräftigt Papst Franziskus auch heuer wieder in seinem Schreiben zum „Welttag des Migranten und des Flüchtlings“. Der Welttag wird von der Katholischen Kirche am 29. September bereits zum 105. Mal begangen. 2004 hat der „Päpstliche Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs“ die Instruktion „Erga migrantes caritas Christi“ veröffentlicht, 2017 wurde das Dikasterium der römischen Kurie für den „Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen“ eingerichtet, zu dem auch die Abteilung für MigrantInnen und Flüchtlinge gehört. „Aus der Flüchtlings- und Migrationstheologie der katholischen Kirche lassen sich ganz klare „No-Gos“ für Christinnen und Christen ableiten“, so Regina Polak: „Jede Art von pauschaler Stigmatisierung, jede Form von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, mangelnde oder fehlende Maßnahmen zur Bekämpfung von Fluchtursachen – etwa unzureichende Mittel in der Entwicklungszusammenarbeit -, die Verweigerung, sich mit den globalen Folgen des imperialen Lebensstils in Europa auseinanderzusetzen, die Bekämpfung von Armen statt der Bekämpfung von Armut.“

Polak ortet unter KatholikInnen viel „Nicht-Wissen“ um diese theologischen Grundlagen, die Teil des globalen Einsatzes der katholischen Kirche für eine gerechte Welt seien. „Sie in den Blick zu nehmen kann jene stützen, die schon bisher ehrenamtlich viel investiert haben in einen menschenwürdigen Umgang mit MigrantInnen und Flüchtlingen, vielfach aber auch frustrierende Erfahrungen machen mussten mit der konkreten Politik“, so Polak, „andere können zum Nachdenken angeregt werden“. Auf weltkirchlicher Ebene komme der Blickwinkel von Ländern, aus denen Menschen abwandern oder flüchten, mindestens genauso zum Tragen wie jener, die qua ihres Reichtums und ihrer Privilegien Zielland von Migration und Flucht seien. So gebe es die „Spaltung“ in der Betrachtungsweise des Phänomens von Zuwanderung und Flucht, wie sie auch unter österreichischen Christinnen und Christen wahrnehmbar sei, auf weltkirchlicher Ebene nicht in dieser Schärfe.

Polak und Pernsteiner regen dazu an, die Migrations- und Flüchtlingspolitik der derzeit in Österreich wahlwerbenden Parteien vor dem Hintergrund einer an der Würde des Menschen orientierten Migrations- und Flüchtlingstheologie zu prüfen. In seinem Schreiben zum „105. Welttag des Migranten und Flüchtlings“ kritisiert der Papst die „Tendenz eines ausgeprägten Individualismus“ in den „wirtschaftlich am weitesten fortgeschrittenen Gesellschaften“, der eine „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ hervorbringe: „In diesem Szenario sind Migranten, Flüchtlinge, Vertriebene und Opfer von Menschenhandel zur Sinnbildern der Ausgrenzung geworden“, die oft als „Ursache gesellschaftlicher Missstände“ betrachtet würden. Diese Einstellung sei ein „Alarmzeichen“, das vor „moralischem Niedergang“ warne. Denn es gerate unter diesem Blickwinkel „jedes Subjekt, das nicht den Maßstäben des physischen, psychischen und sozialen Wohlbefindens entspricht, in Gefahr, an den Rand gedrängt und ausgegrenzt zu werden“.

In seiner Botschaft zum 29. September vorigen Jahres

hatte Papst Franziskus die „Grundsätze der Lehre der Kirche“, aufgegliedert in „aufnehmen, schützen, fördern und integrieren“, in ganz konkrete Maßnahmen übersetzt, die zu treffen wären, darunter etwa die Schaffung „breiterer Möglichkeiten für eine sichere und legale Einreise“ (von Flüchtlingen) „in die Zielländer“ , die „Gewährung von Visa zu humanitären Zwecken und zur Wiedervereinigung von Familien“, die Eröffnung von „humanitären Korridoren für die am meisten gefährdeten Flüchtlinge“, die Entwicklung von „Programmen privater und gemeinschaftlicher Patenschaften“, die Gewährleistung der „persönlichen Sicherheit“ und des „Zugangs zu den Grunddienstleistungen“, das „Angebot von sicheren und bescheinigten Informationen vor der Abreise“ im Heimatland von MigrantInnen und Flüchtlingen sowie die „Bewahrung vor Praktiken illegaler Anwerbung“, „angemessene konsularische Betreuung“ im Zielland, „gebührender Zugang zur Justiz“, „Gewährleistung einer Mindestlebensversorgung“, „Möglichkeit zur Arbeit“ und „Eingliederung in die Arbeitswelt“, „Zugang zu den Mitteln der Telekommunikation“, „regulärer Zugang zur Primar- und Sekundarbildung von Minderjährigen“, Vermeidung „jeder Form von Verwahrung“ derselben.

 

 

 

Pressereferentin der kfbö

Mag.a Elisabeth Ohnemus

Tel: 0664-321 89 36

Email: elisabeth.ohnemus[a]kfb.at

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