Freitag 20. Oktober 2017

„Die Politik muss in die Kirchen kommen“

 

[Wien, 5.9.2017, HP] 180 kfb-Frauen aus allen Diözesen und einige Frauen von der Evangelischen Frauenarbeit sowie der Geistliche Assistent der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, P. Franz Helm SVD, die geistliche Begleiterin Isabella Ehart und die Vorsitzende Veronika Pernsteiner, begaben sich kürzlich auf die Spuren von Dorothee Sölle im Rahmen der 5tägigen kfbÖ-Jubiläumsreise anlässlich 70 Jahre Katholische Frauenbewegung Österreichs.

Die Intention der Reise war es, im Reformationsjahr 2017 eine herausragende evangelische Theologin näher kennen zu lernen.

Die Theologin, Poetin und Mystikerin Dorothee Sölle ist am 30. September 1919 in Köln geboren und am 27. April, zwei Tage vor dem Gedenktag der Hl. Katharina von Siena, der Patronin und Weggefährtin der kfb, im Jahr 2003 auf einer Vortragsreise in Göppingen verstorben.

 

Dorothee Sölle war eine unbequeme Mahnerin auch in den Reihen ihrer eigenen Kirche, sie war eine der profiliertesten feministischen Theologinnen des 20. Jahrhunderts. Sie begann die Politischen Nachtgebete in Köln als Reaktion auf den Vietnamkrieg. Als mutige Friedensaktivistin sah sie die Zerstörung der Schöpfung als eine zentrale theologische Herausforderung an.


Veronika Pernsteiner, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung, sieht in Dorothee Sölle „eine mutige, für das Evangelium widerständige Frau des 20. Jahrhunderts“:

„Dorothee Sölle hat das Evangelium ins Heute übersetzt und daraus die Konsequenzen für ihr politisches Handeln gezogen. Sie ist widerständig gewesen, auch gegen die eigene Kirche, dort, wo das Evangelium es verlangt hat. Auf das Evangelium bezogen hat sie sich gefragt: ‚Was würde Jesus zu diesem Problem heute sagen?‘ Dorothee Sölle ist ein großes Vorbild für uns Frauen, mit ihrem mutigen Auftreten und mit ihrem konsequenten Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und die Schöpfung. Ihr Mut äußert sich auch in ihrer kraftvollen Poesie. Sie hat uns gezeigt, wie wir unsere Kirche im Sinne Jesu weiterbauen sollen, auch gegen Widerstand, mit dem Auftrag direkt aus dem Evangelium.“

 

Zum Dorothee-Sölle-Abend in der Kölner Christus-Kirche am Dorothee-Sölle-Platz 1 hat die kfb auch die Vertreterinnen der beiden deutschen Katholischen Frauenverbände, Stv. Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbunds Dr. Elfriede Schiessleder (zugl. auch Landesvorsitzende des KDFB von Bayern) sowie Prof.in Agnes Wuckelt, Stv. Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) eingeladen. (Siehe Foto)

 

Irene Franken, die Mitbegründerin des Frauengeschichtsvereins Köln hatte den Dorothee-Sölle-Abendorganisiert:

Einen Vortrag zur Geschichte des Politischen Nachtgebets in Köln (1968 bis 1972) hielt Prof.in Maria Mies, Soziologin aus Köln, Mitbegründerin des Politischen Nachtgebets und Weggefährtin von Dorothee Sölle. „Politik muss in die Kirchen kommen“, zitierte sie Dorothee Sölle in diesem Zusammenhang.

Den Hauptvortrag über Dorothee Sölle hielt Bärbel Wartenberg-Potter, von 2001 bis 2008 evang.-lutherische Bischöfin, ebenfalls Weggefährtin von Dorothee Sölle, für die sie auch 2003 die Grabrede hielt.

 

Dorothee Sölle wolle einer „Mystik mit offenen Augen“ das Wort reden, so Wartenberg-Potter und legte die wichtigsten Fragen von Dorothee Sölle dar:

  1. Die Frage nach Gott und die Sprache über Gott nach Auschwitz
  2. Die Frage nach Leid, Mitleiden mit den Menschen und den Sinn des Leidens
  3. Die Frage zum Hunger in der Welt
  4. Die Frage gegen die atomare Aufrüstung
  5. Die Frage zur Schöpfungszerstörung
  6. Die Frage über den mystischen Weg zu Gott und in den Tod

 

Dorothee Sölle hat sich stark auch mit Anne Frank identifiziert. Über das Politische Nachtgebet sagte Sölle: „Beten heißt Denken vor Gott“, ein weiteres Statement von ihr war: „Da kann man nichts machen, ist ein gottloser Satz.“

Kurz vor ihrem Tod sagte Dorothee Sölle „Ich bin zufrieden, wenn ich ein Tropfen in Gottes Meer der großen Liebe sein kann.“

Die Schauspielerin Marianne Rogee („Lindenstraße“) trug an diesem Abend Texte von Dorothee Sölle vor.

 

Ein weiteres eindrucksvolles Erlebnis für die große Reisegruppe war der Sonntagsgottesdienst mit P. Franz Helm SVD in der Klosteranlage Heisterbach. Reiseteilnehmerinnen haben im Kyrie ihre Klagerufe zu politischen Themen unserer Zeit formuliert: Leihmutterschaft war genauso ein Thema wie Klimawandel oder Menschenhandel.

 

Die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen an der kfbÖ-Jubiläumsreise waren voll Begeisterung, es gab viele Anfragen nach einer weiteren Reise.

 

Das kommende Jahresthema der kfb, "Frauen.Leben.Stärken" wurde mit dieser Jubiläumsreise auf beeindruckende Weise eingeläutet.

 

 

Text: Veronika Pernsteiner, M.A.

Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs

4.9.2017

Pressereferentin der kfbö

Mag.a Elisabeth Ohnemus

Tel: 0664-321 89 36

Email: elisabeth.ohnemus[a]kfb.at

Pressephotos der Vorsitzenden

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