Sonntag 17. Dezember 2017

Frauen als „Treiberinnen“ einer solidarischen Weltordnung

 

Dokumentation:

 

Einladung der kfbÖ zur Jubiläumsfeier

 

Text von Simone Curau-Aepli

 

Hier können die Grußworte von Diözesanbischof Dr. Wilhelm Krautwaschl nachgelesen werden.

 

Hier können die Grußworte von Dr.in Pamela Rendi-Wagner, MSc, Bundesministerin für Gesundheit und Frauen, nachgelesen werden.

 

Hier können die Grußworte von Veronika Pernsteiner nachgelesen werden.

 

Hier kann die gesamte Predigt von P. Franz Helm nachgelesen werden.

 

Hier kann die gesamte Rede von Regina Polak nachgelesen werden.

 

Hier können die Grußworte von Sr. M. Beatrix Mayrhofer nachgelesen werden.

 

Fotos von Jubiläum 70 Jahre kfb - Teil 1 von Ingrid Burgstaller

 

Fotos von Jubiläum 70 Jahre kfb - Teil 1 von Petra Adelsberger

 

 

[Wien, 13.5.2017, PA] „Mystik und Widerstand“ als „Aufgabe der Stunde“: Mit diesem programmatischen Postulat wandte sich Regina Polak, Professorin am Institut für praktische Theologie an der Universität Wien, an die Festversammlung der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, die am 12. Mai in Maria Plain in Salzburg, ihrem Gründungsort, ihr 70-Jahr-Jubiläum beging. Das „weltweite Erstarken autoritärer, aggressiver, hegemonialer, patriarchal formatierter Männermacht“ fordere dazu heraus, Widerstand zu leisten, so Festrednerin Polak, und das verlange politische Einmischung auf der Basis einer christlichen Sozialethik: „Ich wünsche der Katholischen Frauenbewegung den Mut, ihren Weg in diesem Sinne weiterzugehen, aus einer christlichen Spiritualität heraus, die Beziehung meint“. Spiritualität als „eine Art Liebe“ werde politisch, wenn sie Menschen versöhne, Formen und Strukturen von Fremdherrschaft und Unterdrückung, Heuchelei und Lüge aufdecke, Narzissmen, Selbstzufriedenheit und Abgeschlossenheit unterbreche. Frauen hätten sich angesichts weltweit wachsenden Autoritarismus auf Ebene der Zivilgesellschaft als „Treiberinnen“ einer neuen, sozial gerechten Weltordnung in biblischem Sinne bewiesen, so Polak, sie spielten eine „Schlüsselrolle“, wo es um alternative Lebensstile, neue Ökonomien, neue politische Ordnungssysteme im Sinne sozialer Gerechtigkeit gehe. „Mischen wir uns ein, immer nachdrücklicher in einer Zeit, in der Armut und Ausgrenzung die Welt und Europa entzweien, damit Rechtspopulisten Auftrieb erhalten und Frauen einmal mehr betroffen sind, wenn sich Ängste und Hass Ventile suchen“, erklärte auch Veronika Pernsteiner, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung, „tun wir das aus der Überzeugung unseres Glaubens heraus, dass uns das Reich Gottes, dieses andere Modell des Miteinanders von Menschen in sozialer Gerechtigkeit, zugesagt ist“. Diesem Gedanken sei auch das Motto des Festes „Frauen.Leben.Stärken“ verpflichtet, zum dem die Katholische Frauenbewegung Österreichs in den kommenden beiden Jahren schwerpunktmäßig arbeiten wird. Ihren Festgottesdienst feierten die rund 200 in Maria Plain versammelten kfb-Frauen mit dem Salzburger Erzbischof Franz Lackner, dem Referatsbischof für die Katholische Aktion Wilhelm Krautwaschl, dem emeritierten ehemaligen Referatsbischof Maximilian Aichern und ihrem geistlichen Assistenten, P. Franz Helm SVD als Zelebranten. Zahlreiche Vertreterinnen aus Politik, Kirchen und befreundeten deutschsprachigen Frauenverbänden wohnten dem Festakt ebenfalls bei.

 

 

Das Aufleben weltweiten Autoritarismus möchte die Theologin Regina Polak nicht einfach als „flashback“ verstanden wissen, vielmehr sei „diese Art von gewaltförmiger Macht schon lange geronnen in vielen der globalen Strukturen in Wirtschaft und Politik“ und werde nun „in verschiedenen Phänomenen, auch mit Gesicht, erkennbar: „Trump, Putin, Le Pen sowie österreichische Vertreter sind nur ein Symptom.“ Grundlagen einer autoritärer Politik seien „spirituelle Fehlhaltungen“, die in Wahrnehmungsstörungen der Wirklichkeit und Beziehungsstörungen zu sich selbst, zu anderen und zu Gott wurzelten: „In der fundamentalen Unfähigkeit, Mensch, Welt und Gott achtsam wahrzunehmen“.

 

Christliche Spiritualität gegen „Herzensverkümmerung“

 

Spirituelle Fehlhaltungen bezeuge auch das Ergebnis einer Studie von Wolfgang Heitmayer aus dem Untersuchungszeitraum 2002 bis 2011, wonach 40 Prozent der deutschen Bevölkerung davon ausgehen, dass es Menschengen gebe, die nützlich seien, und solche, die das nicht seien und daher auch weniger Ressourcen beanspruchen sollten. Christliche Spiritualität wende sich gegen eine solche „Herzensverkümmerung“, ziele darauf, sich für gesellschaftliche Rahmenbedingungen einzusetzen, in denen die Würde des Menschen geachtet werde, Menschen nicht als „Humanfaktoren im Wirtschafts-, Freizeit- und Konsumgetriebe“ verstanden würden, vielmehr in guten Beziehungen zueinander leben könnten. Sie ziele darauf, die politische Teilhabe aller voranzutreiben, engagiere sich gegen Individualismus und Kollektivismus für Authentizität, schaffe Räume der Begegnung und des Dialogs, nehme ein „Wir“ zum Ausgangspunkt, das sich als „Lern- und Entwicklungsraum“ verstehe.

 

„Gegengift“ gegen die Versuchung autoritärer Gewalt

 

Eine derartige Spiritualität sei „das Gegengift“ gegen die Versuchungen, die aktuellen Probleme mit autoritärer Gewalt zu lösen, so Polak. Die Katholische Frauenbewegung habe „jede Menge Erfahrung“ mit dieser Spiritualität: „Mit dem Engagement gegen Gewalt gegen Frauen und für ihre Gleichbehandlung in Kirche und Gesellschaft, für gleichen Lohn für gleiche Arbeit, eine geschlechtergerechte Arbeitsmarkt- und Budgetpolitik sowie Verteilungsgerechtigkeit im nationalen wie globalen Kontext, mit dem Praktizieren von Frauenliturgien, Spiritualitäts- und Gebetsformen, in denen auch die Welt Thema ist, ihrem Einsatz für die Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern.“

 

Widerstand: Zeigen, wie es anders gehen kann

 

Denn Widerstand heiße auch „zeigen, wie es anders gehen kann“. Die biblische Befreiungsgeschichte des Mose, getragen von widerständigem Handeln von Frauen, berichte davon, und natürlich Leben und Botschaft des Jesus von Nazareth. Konzepte neuen, solidarischen Wirtschaftens, politischer Ordnungssysteme auf der Grundlage sozialer Gerechtigkeit seien Beispiel dafür, oftmals inspiriert und vorangebracht von Frauen, Aktivitäten wie der „Global Women March“, mitgetragen von Frauen der Katholischen Frauenbewegung Österreichs.

 

Mystik und Widerstand: Prophetin Dorothee Sölle

 

„Mystik und Widerstand sind die Aufgabe der Stunde“, zitierte Polak die evangelische Theologin Dorothee Sölle, die bereits in den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts vor den ökonomischen und politischen Entwicklungen gewarnt hat, mit denen die Welt gegenwärtig konfrontiert ist. Dorothee Sölle widmet sich die Katholische Frauenbewegung im Jubiläumsjahr auf vielfältige Weise, auch in Verbundenheit mit der evangelischen Kirche, die 2017 500 Jahre Reformation feiert. Im August führt eine Reise kfb-Frauen auf den Spuren Dorothee Sölles nach Köln.

 

Mit Katharina von Siena sich „einmischen in die Verhältnisse wie sie sind“

 

Auch Sölle zählt zu jenen Frauen, die kfbö-Vorsitzende Veronika Pernsteiner in ihrer Rede als „Begleiterinnen, Mutmacherinnen, Herausfordererinnen“ der Katholischen Frauenbewegung nannte: „‘Da kann man nichts machen´ ist ein gottloser Satz“, zitierte Pernsteiner Sölle: „So klein und kompakt hat Dorothee Söllle die große Erkenntnis von der Verquickung von Mystik und Politik verpackt“. Frauen, die im Alltag aus dem Glauben an das Reich Gottes lebten, „Flüchtlinge begleiten oder vor einem Landtag gegen Demokratieabbau und rechtes Gedankengut auftreten“, gehörten ebenso dazu, wie die Heilige Katharina von Siena, die die Katholische Frauenbewegung 2014 zur Patronin und Wegbegleiterin erwählt hat, eine Frau, die „geradezu dazu befähigt, sich angstfreier und nicht korrumpierbar einzumischen in die Verhältnisse, wie sie sind“.

 

Wegbegleiterinnen Herta Pammer und Hildegard Burjan

 

Katharina von Siena war beim Festakt eine Station auf dem Weg zur Kirche nach Maria Plain gewidmet, den die Festversammlung gemeinsam gegangen ist. Unter der Leitung der spirituellen Begleiterin der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, Isabella Ehart, befassten sich die Festgäste auf diesem Weg auch mit dem Wirken weiterer Begleiterinnen und Wegweiserinnen der kfbö: Herta Pammer, der zweiten Vorsitzenden der Katholischen Frauenbewegung und Gründerin der Aktion Familienfasttag, und Hildegard Burjan, Gründerin der Caritas Socialis.

 

P. Franz Helm: „Ihr seid Apostelinnen“

 

„Ihr seid Apostelinnen“, ermutigte P. Franz Helm, geistlicher Assistent der Katholischen Frauenbewegung Österreichs und Festprediger, die versammelten Frauen: „Ihr seid lebendige Steine im Bau der Kirche, gebaut auf dem Fundament der Apostel und Apostelinnen“. Auch weiterhin gelte es für die kfb-Frauen, einzutreten für „Inklusion, Gleichberechtigung und Solidarität mit den Ausgegrenzten“, für Partizipation und Vernetzung mit Gleichgesinnten in der Gesellschaft. „Ohne das Engagement der kfb-Frauen wäre das Wirken der Kirche als Werkzeug zur Verwirklichung des Reiches Gottes defizitär“, so Helm.

 

Bischof Krautwaschl neues kfb-Mitglied

 

Der Referatsbischof für die Katholische Aktion Österreichs, Wilhelm Krautwaschl, forderte in seiner Grußbotschaft die Katholische Frauenbewegung Österreichs dazu auf, im Sinne einer „ecclesia semper reformanda“ in Bewegung zu bleiben: „Bleibt dabei, Euch zu ändern“, appellierte er, „macht Euch auf – gehen wir miteinander.“ Krautwaschl nahm das 70-Jahr-Jubiläum der Katholischen Frauenbewegung Österreichs zum Anlass, Mitglied der größten Laienorganisation Österreichs zu werden.

 

Sr. Beatrix Mayrhofer: Schwestern mit oder ohne Schleier oder Kopftuch

 

„Wir Frauen sind Schwestern“, erklärte Schwester Beatrix Mayrhofer, Vorsitzende der Vereinigung der österreichischen Frauenorden, „mit oder ohne Schleier oder Kopftuch. Gemeinsam tragen wir Verantwortung füreinander, für Kirche und Gesellschaft“. Mayrhofer erinnerte an die nötige Widerstandskraft bei der Gründung der Schulschwestern, u.a. der Niederlassung in Freistatt Mitte des 19. Jahrhunderts, als der damalige Schulinspektor Adalbert Stifter davor gewarnt habe, dass Bildung für Frauen sie „dem Stande der Dienstboten entfremden und zu unordentlichem Leben verleiten“ könne. „Wir sind eine starke Stimme“, ermutigte Mayrhofer: „Frauen können Gesellschaft verändern“.

 

Deutschsprachige Schwesternverbände feiern mit

 

Grußbotschaften zum Jubiläum der Katholischen Frauenbewegung Österreichs kamen auch von Pamela Rendi-Wagner, Bundesministerin für Gesundheit und Frauen, die der kfb dankte „für ihren unermüdlichen Einsatz, Frauen in Österreich und der ganzen Welt eine starke Stimme zu geben“, sowie den Schwesterverbänden aus der Schweiz und Deutschland. Sich mit den Nöten von Menschen zu konfrontieren führe dazu, „dass man nicht zögert: man kämpft“, so Sabine Slawik, Vorstandsmitglied des KDFB, des Katholischen Deutschen Frauenbunds, und von Andante, der Europäischen Allianz Katholischer Frauenverbände. Slawik nannte als Beispiel den Einsatz katholischer Frauen, insbesondere auch Ordensfrauen, gegen den Frauenhandel und berichtete von ihren Erfahrungen in diesem Zusammenhang in Albanien. Simone Curau, Vorsitzende des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes, brachte den österreichischen Frauen ein Windrad mit, „zum Zeichen dafür, wie von Frauen, eingeschweißt in Kirche und Gesellschaft, neue, erneuerbare Energie produziert wird“. Vom vierten deutschsprachigen katholischen Frauenverband, der Katholischen Frauenbewegung Südtirol, war die Vorsitzende, Irene Vieider, zugegen.

 

Augenblicke, Rückblicke, Ausblicke: Ehemalige und aktuelle kfbö-Vorsitzende in der Video-Reihe „angefragt“

 

Zum Kreis der Gäste zählten auch die ehemaligen Vorsitzenden der Katholischen Frauenbewegung Österreichs Ingrid Klein, Margit Hauft und Barbara Haas. In einem Video in der kfbö-Reihe „angefragt“ berichten sie gemeinsam mit der gegenwärtigen Vorsitzenden über wesentliche „Augenblicke“ ihrer Amtszeit, geben „Rückblicke und Ausblicke“ (https://www.youtube.com/watch?v=9PDHX3X1UZs). Als „Markstein“ ihrer Zeit bezeichnet Ingrid Klein den Frauenkongress 1993, bei dem die kfb Leitlinien formulierte, die „einen Wandel der Frauenbewegung“ ausdrückten „hin zu einer Frauenbewegung, die ins Ende des 20. Jahrhunderts gepasst hat“, Sowohl Klein als auch Hauft erinnern sich an die Widerständigkeit, die es gebraucht hat, Misstrauen der Amtskirche entgegenzutreten: „So hat man mir etwa nahegelegt, zu einer anderen Glaubensgemeinschaft zu wechseln“, erinnert sich Margit Hauft. Die wachsende Herausforderung, Ehrenamt und Berufstätigkeit unter einen Hut zu bringen, thematisiert Barbara Haas, die die kfb-Frauen aufruft, „weiterhin laut den Mund aufzumachen“ und „immer Stellung zu beziehen, so schwierig das ist“. Eine große Herausforderung gegenwärtig ist für kfbö-Vorsitzende Veronika Pernsteiner „die finanzielle Situation der Dachorganisation“: „Nur mit Herzblut und freiwilligem Engagement allein kann man die größte Frauenorganisation von Österreich nicht führen. Es braucht auch bezahlte Arbeitskräfte“.

 

Ehrengäste bei der Jubiläumsfeier waren auch die beiden früheren geistlichen Assistenten der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, Abtpräses Christian Haidinger und Abt von Martin Felhofer, die Präsidentin der Katholischen Aktion Österreichs, Gerda Schaffelhofer, die Salzburger Landtagspräsidentin Brigitte Pallauf und die Landtagsabgeordnete Barbara Siebert. Moderiert hat die Festveranstaltung die Chefredakteurin von „Welt der Frau“, Christine Haiden, musikalisch begleitet haben den Festakt Sabine Schmid am Hackbrett und Eva Kastner an der Harfe.  

 

 

 

 

 

 

Pressereferentin der kfbö

Mag.a Elisabeth Ohnemus

Tel: 0664-321 89 36

Email: elisabeth.ohnemus[a]kfb.at

Pressephotos der Vorsitzenden

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