Mittwoch 19. September 2018

Ökumenisches Frauenforum kritisiert Rückschritte bei Frauenförderung

 

[Wien, 15.6.2018, PA] .  Rückschritte bei der Förderung von Frauen kritisiert das Ökumenische Forum Christlicher Frauen in Österreich im Vorfeld des „Ökumenischen Frauenempfangs“. Mit dem Frauenempfang,  heuer unter dem Motto „Wer die Wahl hat… 100 Jahre Wahlrecht für Männer und Frauen“,  artikuliert sich das Ökumenische Frauenforum als Organisation, die „für eine verantwortungsvolle Mitgestaltung des politischen und gesellschaftspolitischen Lebens in Österreich durch Frauen eintritt“. Das Forum unterstütze die Gleichstellung von Männern und Frauen auf allen Ebenen, so Regina Augustin, Nationalkoordinatorin  des Österreichischen Forums christlicher Frauen in Europa und Generalsekretärin der Katholischen Frauenbewegung Österreichs,  die  gemeinsam mit der evangelischen Theologin Ulrike Swoboda für den Empfang verantwortlich zeichnet.

Dass die gegenwärtigen innenpolitischen Entwicklungen nicht „allzu positiv“ sind für die Verwirklichung der Gleichstellung von Männern und Frauen konstatiert in einem Interview vorab die Gleichbehandlungsanwältin Sabine Wagner-Steinrigl, die beim Ökumenischen Frauenempfang am 20. Juni gemeinsam mit Brigitte Theißl, Redakteurin der feministischen Zeitschrift „an.schläge“, Martin Fischer, evangelischer Religionspädagoge an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule in Krems, und Andrea Hladky vom Team des Frauenvolksbegehrens diskutieren wird. Wenig positiv seien die betreffenden Entwicklungen „auch im Blick auf die eigene Organisation“, die im Auftrag des österreichischen Staates tätige Gleichbehandlungsanwaltschaft, deren Ressourcen nicht abgesichert und von der Regierung abhängig seien.  Gleichzeitig würde der Sparwille der Regierung nicht überall durchgehalten, so Wagner-Steinrigl: „Die recht intransparente Nominierung von Generalsekretären in den Ministerien etwa schafft enorme Mehrkosten, weil es sich um höchst bezahlte Personen handelt –  und: wieder dominieren Männer“. Die Pläne, das „golden plating“ - also Standards, die EU-Richtlinien übertreffen - abzuschaffen, hingen „ein bisschen wie ein Damoklesschwert“ über der Arbeit der Gleichbehandlungsanwaltschaft, da Österreich in Sachen Gleichstellung  „eine Spur höhere“ Standards aufweise als sie die EU vorgebe. Das gesellschaftspolitische Klima sei geprägt von  Ausgrenzungsmechanismen, „die sich immer niederschlagen auf Frauen“ – beispielsweise auf Frauen mit Kopftüchern, denen signalisiert werde, dass sie in der Öffentlichkeit nicht erwünscht seien.

 

Lebenswelten von Frauen sichtbar machen und Strukturen verändern

 

Auf dem Weg zur Gleichstellung von Frauen und Männern braucht es für Wagner-Steinrigl unbedingt „mehr Quotenregelungen“: „Eine 50-Prozent-Quote im Parlament wäre ein Bollwerk“ gegen Ungleichstellung und –behandlung der Geschlechter, so die Gleichbehandlungsanwältin - derzeit beträgt der Frauenanteil im österreichischen Nationalrat 35 Prozent. Beim Wahlrecht möchte Wagner-Steinrigl die 4 Prozent-Hürde abgeschafft sehen: „Das Beispiel der Grünen bei der letzten Nationalratswahl hat gezeigt, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil von WählerInnen, in diesem Fall Frauen, die drei Viertel der WählerInnen der Grünen ausgemacht haben, aufgrund des geltenden Wahlrechts nicht repräsentiert ist.“ Das spezifische Wahlverhalten von Frauen hänge eng mit ihrem spezifischem Lebenskontext zusammen, in dem Themen wie Kinder- und Altenbetreuung, niedrige Löhne und Pensionen eine deutlich größere Rolle spielten. Diese Lebenswelten gelte es „sichtbarer und präsenter zu machen“: „Sie spielen eine Nebenrolle, wenn es um Förderungen oder Geldverteilung geht.“  Genau hier liege ein Kernauftrag der Gleichbehandlungsanwaltschaft:  Frauen und ihre Geschichte/n zu hören, ihnen eine „Stimme zu verleihen“. Wesentliche Veränderungen könne es aber nur geben, wenn „Strukturen“ verändert würden. Das sei ein offenkundiger Befund aus der #me-too-Debatte: „Die Frage ist, wie wir Organisationen, Institutionen, Unternehmen strukturieren: Wir müssen Transparenz, ein System von ´checks und balances´ schaffen, Kontrollmechanismen in Hierarchien einrichten, die in beide Richtungen wirksam sind und Machtmissbrauch verhindern“. Das sei gerade in Österreich wichtig, das „anfällig“ sei für autoritäres Gedankengut.

 

Das „Ökumenische Forum Christlicher Frauen“ debattiert diese Fragen am 20. Juni ab 19 Uhr in den Schenkenstraße 8 – 10, 6. Stock, Hörsaal 3 (Infos und Anmeldung: www.frauenoekumene.at).

 

Das Ökumenische Forum christlicher Frauen in Österreich wurde 1989 gegründet. Es ist Teil des europäischen Netzwerkes. Ziel des Forums ist es, „religiöse, kirchliche, politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen und Probleme im Sinne einer ökumenischen Theologie und Spiritualität aus der Sicht von Frauen kritisch zu prüfen und innerkirchliche wie öffentliche Meinungsbildung dazu zu fördern“, eine „frauengerechte Spiritualität“ sowie den Dialog und die Zusammenarbeit von Frauen und Frauenorganisationen verschiedener christlicher Kirchen voranzubringen.

Pressereferentin der kfbö

Mag.a Elisabeth Ohnemus

Tel: 0664-321 89 36

Email: elisabeth.ohnemus[a]kfb.at

Pressephotos der Vorsitzenden

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