Sonntag 17. Dezember 2017

„Christlich geht anders“: Flashmob in Wien

 

[Wien, 6.10.2017, HP] Mit einem Flashmob vor dem Stephansdom wollten die christlichen Aktivisten und Experten aus Kirche, Wirtschaft und NGOs ein Zeichen für ein solidarisches und gerechtes Österreich setzen. Mit Redebeiträgen vor dem Riesentor des Stephansdoms, Flyern und Lautsprechern machten sie lautstark auf populistische Vereinfachungen und Scheinlösungen aufmerksam. Abtpräses Christian Haidinger, Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften mahnte dabei vor pauschalen Sündenböcken in der Politik, wie Migranten oder Flüchtlinge.

 

Solidarität mit den Schwächsten

 

Haidinger forderte in seinem Statement vor dem Stephansdom einen aktiven Sozialstaat und Solidarität mit „denen die ausgegrenzt sind“. Denn: „Der christliche Glaube möchte Mut und Hoffnung machen und nicht Resignation und Angst.“ Für den Abtpräses schließt das auch die Solidarität mit den Schwächsten ein und „nicht, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden“. Es gehe laut Haidinger eine Woche vor der Nationalratswahl dabei weniger um einen Ordnungsruf an die Politiker, sondern um ein notwendiges Gespräch über christliche Werte und Menschenwürde.

 

Mut statt Angst

 

Elisabeth Mayer, Präsidentin Katholischen Aktion Salzburg (KA) plädierte für Mut und Hoffnung und gegen ein kollektives Misstrauen. Für die KA-Präsidentin gelten christliche Werte und Gebote bis heute. Das Gebot „Du sollst kein falsches Zeugnis geben gegen deinen Nächsten“ übersetzte sie als Statement gegen Fake News.

„Angst schüren ist nicht christlich“, meinte auch die Sozialethikerin Magdalena Holztrattner. Die Direktorin der Katholischen Sozialakademie Österreichs (ksoe) sieht in der Initiative eine Gruppe „von hoffnungsstarken Menschen“, die Lösungen fordern, die für alle gut sind. Ein wesentlicher Punkt ist für die Sozialethikerin dabei „Nächstenliebe übersetzt in Gesetze, aber keine Sozialromantik.“

 

Auch für Geschlechtergerechtigkeit

 

Als Beispiel nannte Holztrattner den Krankenstand: „Nicht nur jene, die etwas leisten, haben ein Recht auf Krankenstand. Alle Menschen, egal wo sie her kommen, egal ob sie arbeitstätig waren oder nicht, sollen, wenn sie einen Unfall haben, auch ordentlich behandelt werden.“

Für Veronika Pernsteiner, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, schließt soziale Gerechtigkeit auch Geschlechtergerechtigkeit mit ein: „Der Abbau von Gerechtigkeit und des Sozialstaats betrifft in erster Linie zuerst die Frauen.“ Opfer der Einsparungen seien laut Pernsteiner oft Alleinerziehende oder Frauen in unterbezahlten Berufen.

 

Neoliberalismus vs. Christentum

 

„Christliche Grundwerte sind nicht irgendetwas Abstraktes, sondern sollten das gesellschaftliche Zusammenleben und daher auch die Politik prägen“, meinte der Wirtschaftsforscher Stephan Schulmeister bei seinem Flashmob-Statement. Schulmeister forderte knapp eine Woche vor der Nationalratswahl, dass die Politik ihre Ideologie überdenke.

Der Wirtschaftsforscher nannte Alternativen zu Egoismus und Konkurrenzdenken, die für ihn Kennzeichen einer neoliberalen Wirtschaft sind: die christlichen Grundwerte, nämlich Gottesliebe, Nächstenliebe und Eigenliebe. „Der Neoliberalismus ist nun mal eine Ideologie, die mit diesen Grundwerten schlicht und einfach unvereinbar ist“, so Schulmeister.

religion.ORF.at/KAP

 

Statement von Veronika Pernsteiner, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs

 

Soziale Gerechtigkeit meint immer auch Geschlechtergerechtigkeit. Die christliche Soziallehre begreift den Sozialstaat als wesentlichen Faktor bei der Herstellung und Stabilisierung sozialer Gerechtigkeit. Er ist also auch ein Bekenntnis dazu, dass Männer und Frauen gleichermaßen teilhaben sollen an Ressourcen und Chancen in einer Gesellschaft. Wo der Sozialstaat in Frage gestellt, geschmälert oder gar abgebaut wird, werden immer auch und in erster Linie Teilhabemöglichkeiten und Ressourcen von Frauen in Frage gestellt, geschmälert oder gar abgebaut.

 

Herabgesetzte Mindestsicherung, die Streichung  oder der mangelnde, verschleppte Ausbau öffentlicher infrastruktureller Leistungen: es sind Frauen, die zuerst und stärker betroffen sind – weil sie ohnehin unter Nachteilen leiden, Kinder alleine erziehen nach einer Trennung (90 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen), in Niedriglohnbranchen tätig sind (die Niedriglohnbranchen sind, weil dort hauptsächlich Frauen beschäftigt sind), vom Erwerbsarbeitsmarkt teilweise oder ganz ausgeschlossen sind, weil sie jene private Sorgearbeit tun, für die es keine professionellen, bezahlbaren Anbieter gibt.

 

Es sind in erster Linie Frauen, die die Auswirkungen einer neoliberal ausgerichteten Wirtschaft und Gesellschaft zu spüren bekommen, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, die mangelnde Umverteilungswirkung eines Steuersystems. 5 % der österreichischen Bevölkerung verfügen über die Hälfte des gesamten Vermögens in diesem Land, Männer besitzen deutlich mehr als Frauen, mit zunehmender Größe des Vermögens wächst der Abstand.

 

Ein starker Sozialstaat ist möglich. Er ist das Ergebnis politischer Entscheidungen: für eine gerechte Umverteilung, für ein Bekenntnis zur Würde eines jeden Menschen, für seine existentielle Absicherung unabhängig von seiner Leistung, unabhängig vom Geschlecht.

 

Wo dies in Abrede gestellt wird, wo Menschen in „Würdigere“ und „Unwürdigere“ eingeteilt werden, Sündenböcke für künstlich erzeugte Defizite herhalten müssen, haben sich die dafür Verantwortlichen - PolitikerInnen, Medienschaffende, Menschen an Stammtischen, in Vereinen oder in der Nachbarschaft - von einem christlichen Ethos verabschiedet.

„Christlich“ geht anders.

 

www.christlichgehtanders.at

 

Videostream der Ordensgemeinschaft

Pressereferentin der kfbö

Mag.a Elisabeth Ohnemus

Tel: 0664-321 89 36

Email: elisabeth.ohnemus[a]kfb.at

Pressephotos der Vorsitzenden

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