Montag 10. Dezember 2018

Gedanken von Abt Martin

Der geistliche Assistent der kfb hat sich Gedanken zum Jahresthema gemacht.

 

 

einander begegnen @ kfb.at

 

 

Ich – Du – Wir

 

Im Juli durfte ich zum ersten Mal an der Sommerstudientagung  der KFB in Leibnitz teilnehmen. Diese Woche wurde für mich zu einem wertvollen Geschenk der Begegnung. Im Sinne von Ich – Du – Wir erlebte ich im besten Sinn des Wortes selbstbewusste Frauen – gute Begegnungen vom Ich zum Du und ein frohes Wir einer lebendigen und engagierten Gemeinschaft.

Eine solche Gemeinschaft kann man nicht machen oder herstellen, sie ist ein Geschenk aus einer Mitte heraus. Martin Buber hat 1930 in einem Vortrag vor jüdischen Jugendlichen auf die Frage „Wie kann Gemeinschaft werden?“ geantwortet:

Nicht dadurch, dass man sie herstellt, sondern dadurch, dass sich Menschen einer lebendigen Mitte erinnern und sich um sie sammeln. Wenn Menschen eine lebendige Mitte haben, um die sie gereiht sind, dann entsteht Gemeinschaft zwischen ihnen.“

Diese Mitte haben wir auch jeden Tag gefeiert und erlebt in der Liturgie. Wir haben diese Mitte vor allem auch entdeckt in Frauengestalten des AT, in Maria und Elisabeth, und vor allem bei der Frau am Jakobsbrunnen: sie hat durch die Begegnung mit Jesus Christus das wahre Leben gefunden.

 

Ich nenne drei Kraftquellen einer guten Begegnung: Wahrnehmung – Aufmerksamkeit – Achtsamkeit.

Erst kommt der Blick, mit dem ich die anderen wahrnehme.

Wahrnehmen – die anderen wahr-nehmen, sie wirklich so nehmen, wie sie sind in ihrer Wahrheit.

Aufmerksamkeit und Achtsamkeit – das ist die wertschätzende Wahrnehmung, das Sehen mit dem Herzen.

Anthony de Mello erzählt die Geschichte von einem Journalisten, der ein Buch schreiben will über einen Guru. Dazu besucht er den Guru und fragt ihn als Erstes: „Die Leute sagen, Sie seien ein Genie. Stimmt das?“ „Ja, das kann man schon sagen“, antwortet der Meister, nicht gerade bescheiden. Aber der Journalist hat sofort eine neue Frage parat: „Und was macht dann einen Menschen zu einem Genie?“ Darauf antwortet der Guru: „Die Fähigkeit zu sehen.“ Jetzt ist der Journalist sprachlos: „Was zu sehen?“ Der Guru antwortet auf diese Frage: „Den Schmetterling in einer Raupe, den Adler in einem Ei, den Heiligen in einem Egoisten.“ Das zu sehen macht einen Menschen zum Genie, zum Genie der Liebe. Dann hat er Augen für das, was verborgen im anderen vorhanden ist und lockt es zur liebenden Begegnung heraus.“

„Einem anderen dessen eigene Schönheit offenbaren“, nennt es Jean Vanier.

 

Bischof Klaus Hemmerle hat in seinem letzten Osterbrief vor seinem Tod am 23. Januar 1994 geschrieben: „Ich wünsche uns Oster-Augen, die im Tod bis zum Leben, in der Schuld bis zur Vergebung, in der Trennung bis zur Einheit, in den Wunden bis zur Herrlichkeit, im Menschen bis zu Gott, in Gott bis zum Menschen, im Ich bis zum Du zu sehen vermögen.“

 

So wünsche ich Ihnen allen im Sinne des Jahresthemas gute und wertvolle Begegnungen.

Mag. Martin Felhofer

Abt des Prämonstratenserstiftes Schlägl und Geistlicher Assistent der

Katholischen Frauenbewegung Österreich

Pressereferentin der kfbö

Mag.a Elisabeth Ohnemus

Tel: 0664-321 89 36

Email: elisabeth.ohnemus[a]kfb.at

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