Wellnes fördert Machtlosigkeit der Frauen
Katholische Frauenbewegung Österreichs analysierte im Rahmen ihrer Sommerstudientagung Wellness-Trend Grazer Theologin Dr.in Karin Petter warnt vor Idealisierung der in sich ruhenden, passiven Frau
Die Wellness Slogans "TuŒ dir etwas Gutes!" oder "Lass dich Verwöhnen!" sind keine Imperative, die vom neuen Selbstbewusstsein und der neuen Selbstständigkeit von Frauen zeugen. Nach Ansicht von Dr.in Karin Petter sind es vielmehr Imperative, die durch ihre Heile-Welt-Idylle zu einer Flucht aus dem Alltag anstacheln und im Gegensatz zur politischen, öffentlichen Gesellschaftsbühne stehen. "Wellness ist Ausstieg aus der Welt" und kann vor allem bei Frauen ein Gefühl der "ermächtigten Machtlosigkeit" erzeugen
Bei der Sommerstudientagung der Katholischen Frauenbewegung Österreichs im Vorarlberger Bildungshaus St. Arbogast forderte die Grazer Theologin zur kritischen Haltung gegenüber der im Wellness-Diskurs propagierten Ausschließlichkeit des Ideals einer in sich ruhenden, passiven Frau auf. Sie warnte vor der Abhängigkeit von Produkten, Dienstleistungen und überwiegend männlichen Fachleuten, die Rezepte zur Optimierung von Körper, Geist und Seele anbieten.
Petter zeigte auf, wie die überwiegend von Frauen genutzten Wellness-Angebote von männlichen Kriterien geprägt sind. So würden Stärke und nicht Kraftlosigkeit, Leistung und nicht Aufopferung, beruflicher Erfolg und nicht Beziehung, Vitalität und nicht Müßiggang, Ich-Stärkung und nicht Solidarität als Zielvorgaben des Wellness-Diskurses fungieren. Im Gegensatz zum deutschen Trendforscher Matthias Horx ist die steirische Religionslehrerin deshalb nicht davon überzeugt, dass Wellness ein Indiz für die "Verweiblichung unserer Kultur" sei. Sie ist davon überzeugt, dass Wellness die Aufwertung des Körpers mit einer männlich geprägten Machbarkeits- und Optimierungsideologie verbindet.
Als positives Ergebnis des Wellness-Trends wertet Dr.in Karin Petter aber die Überwindung des Körperkults, der die Mängel des eigenen Körpers hervorgehoben hatte, und die Aufwertung und Anerkennung von Leiblichkeit und Sinnlichkeit.





