Tuesday 21. May 2013

Ehrenamt fördern ohne Streichung von Dienstposten

Katholische Frauenbewegung Österreichs will kirchen- und gesellschaftspolitisches Engagement von Haupt- und Ehrenamtlichen verstärkt ausbauen und vernetzen - Sommerstudientagung zum Thema „Berufen zum Ehrenamt" abgeschlossen.

 

Die Katholische Frauenbewegung Österreichs möchte künftig noch mehr als bisher die Talente ihrer rund 200.000 Mitglieder fördern und sie zum ehrenamtlichen Engagement in Kirche und Gesellschaft motivieren und befähigen. Allerdings werde man, wie kfbö-Vorsitzende Margit Hauft zum Abschluss der Sommerstudientagung am Freitag, 18.Juli 2008, im Kärntner Bildungshaus „Soldalitas" in Tainach/Tinje betonte, genau darauf achten, dass im Zuge von Einsparungsmaßnahmen keine Hauptamtlichen  durch Ehrenamtliche ersetzt werden, denn beide sind für Kirche und Gesellschaft unerlässlich. Auch wenn liebsame, freiwillige Arbeit mehr geschätzt werde als kritisches, forderndes  Agieren von BürgerInnen, so werde die kfbö ihr kirchen- und gesellschaftspolitisches Engagement nicht reduzieren, sondern so lange fortsetzen, bis ihre Anliegen auch als liebsam erkannt werden, erklärte Hauft. „Denn wir sind und bleiben immer wieder die ‚Frauen des Obwohls und des Trotzdem'."

In diesem Zusammenhang erinnerte Margit Hauft an die von der Grazer Theologin Dr.in Livia Neureiter bei der Sommerstudientagung vorgetragenen „faszinierenden Beispiele der Kirchengeschichte", die Frauen in heute undenkbaren Positionen in der katholischen Kirche dokumentieren. „Wir haben gerade im Paulusjahr den großen Auftrag, diese Frauen, wie z. B. die Diakonin Phöbe, immer wieder zu benennen und darauf hinzuweisen, wie sehr der heilige Paulus diese schätzte", meinte die kfbö-Vorsitzende.
 
Das ehrenamtliche Engagement dürfe auch nicht als Christenpflicht angesehen werden. Vielmehr sollten die persönlichen Talente als Folge von gelebten ChristInnensein eingebracht werden.
 
Klerus sollte Talente der Laien zulassen
Einen Paradigmenwechsel bei der Sicht des Ehrenamtes in der Kirche hatte die in der Diözese Passau wirkende Pastoralreferentin Dr.in Elfriede Schießleder, am Donnerstag, 17.Juli 2008, in einem Referat bei der kfbö-Sommerstudientagung gefordert.  Grundlegend für das legitime, freiwillige Engagement dürfe nicht länger die Frage „Darf ich?" sein, sondern die klare Aussage der Engagementwilligen: „Ich kann gut...." Dies dann als Hauptamtlicher, als Priester anzunehmen, in die Gemeinde hinein zu integrieren und zuzulassen ergäbe nach Ansicht der Referentin „eine echte Subjektwerdung der freiwillig Aktiven". Dazu sei allerdings noch viel Umdenken in der Praxis nötig. Denn die Kirche agiere zwar gegenwärtig in den Strukturen des 2.Vatikanums, aber vieles sei bis heute im Korsett des 19.Jahrhunderts verblieben. „Die Rede vom Volk Gottes unterwegs im Vaticanum II konterkariert die Letztverantwortung des Klerikers durch die Mitsorge der Laien", meinte Schießleder. Obwohl im Kirchenrecht die Mitarbeit der Laien am Aufbau der Kirche erwartet werde, gäbe es keinerlei einklagbares Rechtsmittel dafür. Somit würden die Aktivitäten der Laien oftmals vom guten Willen des Klerikers abhängen, der alleine „verantwortunsgberechtigt" sei.

Verbandsarbeit ist Grundlagenforschung pastoraler Praxis
In der katholischen Verbandsarbeit erkennt die langjährige Funktionärin des Katholischen Deutschen Frauenbundes hingegen mehr Möglichkeiten für ehrenamtliches Engagement. „Hier wurden und werden aktuelle Nöte ganz praktisch angegangen, Projekte ausprobiert, neue Praxisfelder erschlossen." So werde „katholische Verbandsarbeit zur Grundlagenforschung in der pastoralen Praxis". In diesem Sinne forderte auch Margit Hauft zur Fortsetzung der gediegenen Basisarbeit der Katholischen Frauenbewegung in den Pfarren auf. „Wir müssen Imme wieder neue Impulse geben, Bildungsprozesse initiieren, aber es ist auch ganz wichtig immer wieder hin zu hören, was sich die Leute wünschen, mit ihnen und in den Gemeinden zu leben und nicht Basisgruppen und Leitungsteams auseinander dividieren zu lassen."

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