Wednesday 22. May 2013

Gleiches Recht für gleiche Pflichten

Das Pensionsantrittsalter der Frauen anzuheben, bevor Frauen beruflich und sozial gleichgestellt sind, lehnt die Katholische Frauenbewegung ab.

Dass Frauen und Männer gleich behandelt werden, sieht die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfb) als großes Ziel. Ausgerechnet die Anhebung des Pensionsantrittsalters vorzuziehen, während Frauen bei weitem nicht die gleichen Chancen haben wie Männer, hält kfb-Vorsitzende Margit Hauft für eine schlechte Idee. „In Politik und Wirtschaft braucht es dringend eine kreative Gleichstellungsoffensive“, fordert Hauft. „Denn bei der Chancengleichheit in Österreich gibt es noch viel zu viele wunde Punkte.“

  • Die Einkommensschere in der Erwerbstätigkeit ist eine der größten in Europa: Eine Frauenarbeitsstunde ist im Durchschnitt fast 30% weniger Geld wert als eine Männerarbeitsstunde.
     
  • Frauen leisten außerdem einen Großteil der unbezahlten Arbeit: Haushaltsarbeit und Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen entsprechen einer geschätzten Wertschöpfung von 35 Milliarden Euro pro Jahr.
     
  • Frauen leben von einer Durchschnittspension in der Höhe von 786,- Euro, während Männer durchschnittlich 1.288,- Euro Pension bekommen (Jahr 2010). Männer erhalten daher rund ein Drittel mehr Lebenspension, obwohl sie etwa fünf Jahr kürzer leben.
     
  • Frauen sind in politischen, wirtschaftlichen und politischen Entscheidungsgremien nicht angemessen vertreten.

Auf den Unterschied zwischen gesetzlichem und tatsächlichem Pensionsantrittsalter macht Christa Pölzlbauer aufmerksam, die Vorsitzende des österreichischen Frauenringes, dem auch die kfb angehört. Das gesetzliche Pensionsantrittsalter liegt derzeit bei 60 Jahren für Frauen und 65 für Männer, während das tatsächliche Pensionsantrittsalter durchschnittlich 58,9 Jahre bei Männern beträgt und 57 Jahre bei Frauen. Der Unterschied zwischen dem tatsächlichen Pensionsantritt von Frauen und Männern liege also bei 1,9 Jahren, nicht bei den gesetzlichen fünf Jahren. Das Einsparungspotenzial sei daher für die österreichische Regierung gering.

„Was wir brauchen, damit mehr Gerechtigkeit zwischen Frauen und Männern herrscht, sind politische Schritte in die richtige Richtung“, fasst kfb-Vorsitzende Margit Hauft zusammen:

  • Gleicher Stundenlohn für Männer- und Frauenarbeit,
     
  • gleiche finanzielle Wertschätzung von klassischen Männer- und Frauenbranchen,
     
  • Zerschlagung der „gläsernen Decken“,
     
  • gerechtere Anrechnung von Betreuungszeiten für Kinder und pflegebedürftige Angehörige auf die Pension,
     
  • Gleichstellung von Männern in der Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen (keine versteckten Benachteiligungen im Beruf, Papamonat auch in der Privatwirtschaft, …),
     
  • Wiedereinführung der Pensionsberechnung auf Grundlage der 15 besten Verdienstjahre.

Anlass für die Stellungnahme der Katholischen Frauenbewegung ist die öffentliche Debatte über die vorzeitige Anhebung des Frauenpensionsalters auf 65 Jahre. „Vorzeitig“ bezieht sich auf das in den 1990er-Jahren formulierte Ziel, das Pensionsalter für Frauen wie für Männer schrittweise bis 2033 auf 65 Jahre anzuheben.

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