Tuesday 15. October 2019

Die Welt als Haushalt sehen

Die Theologin Dr.in Michaela Moser stellte bei der Sommerstudientagung der Katholischen Frauenbewegung Österreichs in Wien Prinzipien zur Gestaltung der Welt vor

Die Theologin Dr.in Michaela Moser stellte bei der Sommerstudientagung der Katholischen Frauenbewegung Österreichs in Wien Prinzipien zur Gestaltung der Welt vor

Wenn Frauen Zukunft gestalten wollen, sollten sie Welt als Haushalt in den Blick nehmen, als ein Bezugsgewebe, das von der Verantwortung und Sorge füreinander geprägt ist. Dieses Prinzip der Schweizer Theologin Ina Praetorius  griff  Dr.in Michaela Moser bei der Sommerstudientagung der Katholischen Frauenbewegung Österreichs am Donnerstag, 16. Juli 2009, in Wien auf. „Der Haushalt eignet sich besser als der Markt als Vorbild für die Organisation des Zusammenlebens", plädiert Moser für einen Paradigmenwechsel. Jede/r habe positive und negative Erfahrungen damit, die für die Gestaltung des globalen Haushalts reflektiert übernommen werden müssten.

So seien gute Beziehungen und gemeinsam beschlossene Regeln genauso unerlässlich wie eine gewisse materielle Basis, die jedoch keineswegs einziger Garant für gutes Zusammenleben sei. „Der Haushalt unterscheidet sich vom Paradigma des Marktes vor allem dadurch,  dass es allen nur gut gehen kann, wenn es jedem/r Einzelnen gut geht. Der funktionierende Markt scheint zu brauchen, dass es einigen schlechter geht oder nimmt dies zumindest bewusst in Kauf.  Die Welt als Haushalt zu betrachten, bedeutet also, sie gemeinsam so zu gestalten, dass es allen und jeder und jedem Einzelnen gut geht und dabei auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Einzelnen Rücksicht zu nehmen, denn das Gute ist nicht für alle das Gleiche", sagte Dr.in Michaela Moser.

Visionen vom guten Leben entwickeln

Die Theologin und Ethikerin stellte den Leitungsteams der kfbö aus alles Diözesen sowie Südtirol Prinzipien zur Weltgestaltung vor. Neben der Betrachtung der Welt als Haushalt seien Visionen vom guten Leben unerlässlich. Sie müssten klar und in einer Sprache, die Menschen anspricht, formuliert werden, sollten zum Herzen gehen und zum Handeln motivieren. Moser forderte die rund 100 Tagungsteilnehmerinnen auf, neue Maßstäbe zu setzen und fest an ihre Vision zu glauben. „Vertrauen wir auf die Kraft unserer eigenen Wünsche und lassen wir uns nicht beirren, denn, was uns heute unrealistisch scheint, muss keineswegs für immer unrealisierbar sein. Haben Sie keine Angst vor dem eigenen Mut."

Wichtig sei es auch, von sich selbst, den persönlichen Erfahrungen auszugehen, und darauf zu achten, was eine/n wirklich bewegt. Dabei dürfe man gerade nicht in der Selbstbetrachtung verharren, sondern müsse auf andere und auf die Welt zugehen. Die Konfrontation eigener Ideen mit jenen der anderen sei dabei oft schmerzhaft, bedeute sich der Kritik auszusetzen, sich stückweise von eigenen Vorstellungen zu verabschieden und auch das Risiko des Scheiterns in Kauf nehmen zu müssen. „Aber nur so kann Neues entstehen, können Veränderungen gemeinsam vorangetrieben werden", ist die Mitarbeiterin der österreichischen Armutskonferenz überzeugt.

Sie plädierte weiters dafür, sich darüber klar zu werden, „wie sehr wir als Menschen
voneinander abhängig sind". Zukunftsgestaltung könne deshalb nur auf „Freiheit
in Bezogenheit" basieren. Dies bedeute in einem ständigen Prozess Autonomie
und Abhängigkeit miteinander zu versöhnen.
Wesentlich erscheint ihr auch der „Anspruch in Wahrheit zu leben", sich nicht mit den Gegebenheiten zufrieden zu geben. „ChristInnen sind aufgerufen, eine Kontrastgesellschaft zu entwickeln und nicht dem Status quo zu dienen." In Pfarrgemeinden könne dies gut eingeübt und vorgelebt werden,.

WeltgestalterInnen müssen göttlicher werden

Wenn Dr.in Michaela Moser in der jüngsten Enzyklika des Papstes die
prophetische Dimension auch weitgehend fehlt,  so ist sie doch mit Benedikt XVI. einer
Meinung, dass die Welt eine Politik der Gerechtigkeit und Liebe braucht.

„Wir müssen uns für die Rechte aller einsetzen, aber es braucht auch ein ‚mehr', das uns als WeltgestalterInnen nährt." Deshalb sei die Arbeit an strukturellen Veränderungen genauso wichtig wie direkte Hilfsprojekte und eigene Verhaltensänderungen, auf gewisser Weise sei sie sogar Voraussetzung derselben. „Wir können besser lieben, wenn wir gerechte Strukturen schaffen", betonte Moser.

Dabei sei es wichtig, dass  die GestalterInnen der Welt „göttlicher werden sollten". Dies jedoch nicht im Sinne von Selbstüberschätzung, sondern  im Streben nach dem „Gleichwerden der Ebenbildlichkeit Gottes".  Dieser tiefe spirituelle Anspruch sei auch eine Aufforderung. „Denn wir können soziale Struktur nur dann wirklich ändern, wenn wir auch über die symbolische Ordnung, also wie wir über Dinge denken und sprechen, was Werte sind, und worin Menschen heil werden, reflektieren."

Eleonore Bayer
Pressereferentin der Katholischen Frauenbewegung Österreichs
Veitingerg.8
1130 Wien
Tel.&Fax 01/87 74 716
Handy: 0664 321 89 36
www.kfb.at
www.teilen.at

Pressereferentin der kfbö

Mag.a Elisabeth Ohnemus

Tel: 0664-321 89 36

Email: elisabeth.ohnemus[a]kfb.at

Pressephotos der Vorsitzenden

zum Download

Pressereferentin der kfbö

Mag.a Elisabeth Ohnemus

Tel: 0664-321 89 36

Email: elisabeth.ohnemus[a]kfb.at

 

 

MACH MIT!

Du willst das kostenlose Solidarisch Kulinarisch Kochpaket erhalten?

Dann trag hier Deine E-Mail-Adresse ein:

 

zur ersten Seite  vorherige Seite     1 2 3 ... 14 15 16     nächste Seite (n)  zur letzten Seite (l)
Katholische Frauenbewegung Österreichs, A-1010 Wien, Spiegelgasse 3/2/7
Tel: 01-51552-3695, E-Mail: office@kfb.at
http://www.kfb.at/