Freitag 20. Oktober 2017

12-Stunden-Tag: Rückschritt auf dem Weg zur Gleichstellung der Geschlechter

 

[Wien, 27.4.2017, PA] Gegen eine generelle Ausweitung der zulässigen Höchstarbeitszeit auf zwölf Stunden pro Tag treten die Katholische Frauenbewegung Österreichs und die Österreichische Plattform für Alleinerziehende anlässlich des „Tags der Arbeitslosen“ am 30. April und des „Tags der Arbeit“ am 1. Mai auf: „Eine Arbeitszeitflexibilisierung im Sinne eines 12-Stunden-Tags bedeutet einen Rückschritt auf dem Weg zur Gleichstellung von Mann und Frau, weil sie die bestehende Rolle von Frauen als Zuverdienerinnen verfestigt und ihre Chancen auf dem Erwerbsarbeitsmarkt verringert“, so Veronika Pernsteiner, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs. Von einem „Desaster“ für Alleinerziehende, weit überwiegend Frauen, warnt die Vorsitzende der Österreichischen Plattform für Alleinerziehende, Gabriele Fischer: „Es fehlen die notwendigen Kinderbetreuungseinrichtungen, die zudem für alle leistbar sein müssen, die Attraktivität von Alleinerziehenden am Arbeitsmarkt  würde  weiter sinken, Erholung würde es noch weniger geben.“ Katholische Frauenbewegung und Plattform für Alleinerziehende fordern demgegenüber Maßnahmen, die eine partnerschaftliche Teilung von Erwerbs- und Sorgearbeit fördern, eine generelle Arbeitszeitverkürzung sowie ausreichend bezahlbare Kinderbetreuungseinrichtungen. Die österreichische Regierung hat den Sozialpartnern bis Ende Juni eine Frist gesetzt, um in der Frage um die Ausdehnung der zulässigen Tagesarbeitszeit von zehn auf zwölf Stunden und der flexibleren Gestaltung von Arbeitszeit zu Lösungen zu kommen.

 

 

Bereits jetzt ist es nach Angaben der Arbeiterkammer Wien so, dass 75 Prozent der Frauen mit Kindern unter 15 Jahren Teilzeitjobs machen, während rund die Hälfte der Väter von Kindern bis 12 Jahren regelmäßig Überstunden leisten: „Wenn Frauen nach wie vor hauptsächlich die private Sorgearbeit über haben, wird es für sie bei längeren Tagesarbeitszeiten noch schwerer, sich am Arbeitsmarkt zu behaupten, insbesondere angesichts des Mangels an Ganztagsschulen und ausreichend langen Öffnungszeiten von Kinderbetreuungseinrichtungen,“  so Veronika Pernsteiner. Für Alleinerziehende ergebe sich ein gänzlich katastrophales Szenario, erklärt Gabriele Fischer: „Was wir brauchen, ist keine Flexibilisierung für UnternehmerInnen, sondern eine Flexibilisierung im Sinne der ArbeitnehmerInnen“.

 

Tatsächlich gewährt das bestehende Arbeitsrecht bereits jetzt eine Vielzahl von Möglichkeiten, Arbeitszeit flexibel zu gestalten, etwa via Gleitzeit, Schicht- und Durchrechnungsmodellen oder die 4-Tages-Woche: „Inwieweit schöpft die Wirtschaft diese Möglichkeiten aus?“, fragen Fischer und Pernsteiner, „und inwieweit geht es darum, der Entlohnung von Überstunden zu entkommen?“. Nach Angaben der Arbeiterkammer Wien wird die überwiegende Zahl der derzeit in Österreich geleisteten Überstunden innerhalb des gesetzlichen Rahmens erbracht, bei einer Erhöhung des Höchstarbeitszeit auf zwölf Stunden pro Tag drohten Überstundenzuschläge im Ausmaß von 1,5 Milliarden Euro zu entfallen.

 

„Wir wollen, dass dem Wunsch von jungen Vätern nach Arbeitszeitreduzierung nachgekommen wird“, fordert kfbö-Vorsitzende Veronika Pernsteiner im Blick auf Daten aus dem Familienministerium, wonach sieben von zehn Väter zwischen 18 und 29 Jahren sich für eine Arbeitszeitreduzierung zugunsten der Familie interessieren und knapp die Hälfte die Arbeitszeit gerne um 20 Prozent verringern würde. „Eine Arbeitszeitverkürzung bei entsprechendem Lohnausgleich wäre ein Schritt in Richtung einer partnerschaftlichen Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit und auch für Alleinerziehende ein entlastender Rahmen“, so Gabriele Fischer von der Plattform für Alleinererziehende. Gleichzeitig gelte es, die gesellschaftliche Organisation und Sicherstellung von Sorgearbeit, von Betreuung, Pflege und Bildung voranzutreiben.

 

„Dass bei einem 12-Stunden-Tag die Erholung, insbesondere von Eltern und noch mehr von Alleinerziehenden,  auf der Strecke bleibt, ist vorauszusehen“, erklären Pernsteiner und Fischer. „Blockzeiten“ von Arbeit und Freizeit, wie sie von der Wirtschaft als attraktive Angebote dargestellt würden, kämen allenfalls Singles und kinderlosen Paaren entgegen, seien Studien zufolge aber generell nicht zu empfehlen: „Wir wissen, dass ab der 9. Arbeitsstunde die Zahl der Unfälle steigt und auch das Risiko eines Burnouts wächst.“ Was es brauche, sei „gute Arbeit“, die Leben und Erwerbsarbeit in einer guten Balance halte. Das beantworte auch den Wunsch von Eltern, täglich Zeit mit ihren Kindern verbringen zu können, mit ihnen zusammenzuleben.

Pressereferentin der kfbö

Mag.a Elisabeth Ohnemus

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