Thursday 23. May 2013

Als Clowninnen Kirche und Welt bewegen

Gott als Clownin ist für Dr.in Gisela Matthiae eine überlegenswerte Metapher. Bei der dem Wandel von Gottes- und Menschenbildern gewidmeten Sommerstudientagung der Katholischen Frauenbewegung Österreichs hielt die selbst als Clownin arbeitende deutsche evangelische Pfarrerin und Erwachsenenbildnerin am Dienstag, 11. Juli 2006 im Bildungshaus St.
Michael in Matrei am Brenner ein Plädoyer für die aufbrechende und verändernde Kraft der Clownerie. Frauen sollten darauf setzen und „im Ebenbild der Clownin Gott Kirche und Welt bewegen“.

Clownerie durchbricht einengende und ungerechte Strukturen, kehrt Verhältnisse um, nennt die Dinge beim Namen, stellt Schattenseiten heraus, begegnet liebevoll den Schwächen und Schwachen und entdeckt noch in der größten Ausweglosigkeit neue Möglichkeiten, betonte d Dr.in Matthiae. Diese Merkmale zeichnen auch zahlreiche biblische Geschichten aus, deren Wahrheiten oft so gar nicht in das übliche Denken passen.

„Doch wo diese Merkmale in der Bibel auftreten ist Gott selbst am Werk, in seinem Geistwirken, als Schöpfer, in Jesus Christus“, ist die geschäftsführende Studienleiterin des Frauenstudien- und bildungszentrums der Evangelischen Kirche Deutschland in Gelnhausen bei Frankfurt überzeugt. Für sie ist der Glaube „eine verrückte Angelegenheit“, die eine gerechte und friedliche Welt verheißt, obwohl unsere reale Welt tatsächlich davon weit entfernt ist. „Doch zugleich sind es diese Verrücktheiten, die heilsam sind. Sie brechen mit herrschendem Unrecht, sie nehmen nichts einfach als gegeben hin, sie vertrauen auf das mehr, auf die Fülle, auf eine andere Welt, die möglich ist.“ Gott hat viele Namen Mit der Vielfalt der Gottesbilder in der Bibel setzte sich die Tiroler Erwachsenenbildnerin Mag.a Renate Dierigl-Kroner in ihrem Referat auseinander. Der Bogen reichte vom Schöpfergott über den Befreier, den Löser, den Rufenden bis zum Hirten und so verbreiteten Vatergott. Ihm stellte die Theologin jene weniger bekannten biblischen Bilder entgegen, in denen Gott als Mutter, als Erbarmen, als Weisheit und als bewegende Kraft „Ruach“ bezeichnet wird.

Dierigl-Kroner, die früher hauptamtliche Mitarbeiterin der Katholischen Frauenbewegung war und nun als Fachreferentin im Seelsorgeamt der Diözese Innsbruck arbeitet, zeigte das Dilemma auf, dass Menschen nicht ohne Bilder von Gott reden und glauben können, obwohl kein Bild ausdrücken könne, was Gott wirklich ist. Auch dogmatisch geprägte Begriffe, wie allmächtig, allwissend, unveränderlich, ewig...prägen das Reden über Gott, lassen aber kaum Spielraum, die Dynamik der biblischen Gottesbilder zu erfassen und zu erfahren. Sie appellierte an die 100 Tagungsteilnehmerinnen aus ganz Österreich, Südtirol und der Slowakei, die Suche nach lebendigen, kraftvollen Gottesbildern nicht aufzugeben, um darin ihre Lebenswirklichkeit zu finden, auch wenn man diese dann nach reiflicher Prüfung vielleicht wieder verwerfen müsse.

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