Monday 14. October 2019

35.000 Unterschriften aus Österreich an Arbeitsminister in Südindien übergeben

Arbeitsbedingungen von Frauen in indischen Baumwollspinnereien laut neuesten Untersuchungen nach wie vor erbärmlich

 

[Wien, 15.4.2015, PA] 35.000 Unterschriften, mit denen sich Österreicherinnen und Österreicher für ein Verbot der Ausbeutung von Frauen und Mädchen in südindischen Baumwollspinnereien ausgesprochen haben, sind am 7. April vom Leiter der Menschenrechts- und kfbö-Partnerorganisation „Vaan Muhil“, Arockiasamy Britto, an den Arbeitsminister des Bundesstaates Tamil Nadu übergeben worden. Die Unterschriften sind das Ergebnis einer Petition, mit der im Frühjahr 2014 die Aktion Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (kfbö) gemeinsam mit der Clean Clothes Kampagne und weiteren KooperationspartnerInnen (ÖGB, Katholische ArbeitnehmerInnenbewegung, Frauensolidarität, weltumspannend arbeiten, Dreikönigsaktion, Welthaus Graz und Linz) gegen das „Sumangali-Scheme“ in Tamil Nadu mobilisiert haben. Bei dem „Scheme“ geht es um Arbeitsverträge, die Mädchen und jungen Frauen versprechen, sich eine Mitgift und damit den Status einer „Sumangali“, einer „glücklich verheirateten Frau“, erwirtschaften zu können. Tatsächlich manövrieren sie die Betroffenen aber in ausbeuterische Beschäftigungsverhältnisse. „Es ist uns gelungen, im Zuge der Übergabe mit dem Arbeitsminister ausführlich zu sprechen “, so Menschenrechtsaktivist Britto, „er hat sämtliche Anliegen unsererseits positiv aufgenommen“. In einem Schreiben an die Katholische Frauenbewegung Österreichs und ihre KooperationspartnerInnen dankt Britto für die Unterstützung aus Österreich: „Wir profitieren so sehr von diesen Unterschriften“.

 

 

 

Rund 200.000 Frauen und Mädchen waren zum Zeitpunkt des Starts der Petition Opfer des „Sumangali-Schemes“ in Südindien. Die Betroffenen arbeiten, ständig überwacht, 7 Tage die Woche in 12-Stunden-Schichten, werden gering bis gar nicht entlohnt, nur notdürftig medizinisch versorgt, sind Demütigungen und Gewalt ausgesetzt. In Indien selbst gibt es dagegen nur wenig Protest aus der Zivilgesellschaft oder von staatlichen Instanzen. Ihnen sind laut der Menschenrechtsorganisation „Vaan Muhil“ die Interessen der Unternehmen wichtiger als die Rechte der ArbeiterInnen. Mit den Garnen aus den Spinnereien, in denen die Mädchen und Frauen schuften, wird eine Vielzahl von Modelabels auf dem europäischen und internationalen Bekleidungsmarkt versorgt. In der Petition, die dem Arbeitsminister von Tamil Nadu nun übergeben wurde, wird die Regierung des Bundesstaates aufgefordert, für eine kontinuierliche Überwachung der Situation in Textilfabriken und Spinnereien zu sorgen, die aktuelle Gesetzeslage hinsichtlich der Anstellung von Mädchen als Lehrlinge umzusetzen, sicherzustellen, dass Arbeiterinnen über 18 Jahre in geregelte Anstellungsverhältnisse übernommen werden und Kinderarbeit verhindert wird. Der Arbeitsminister, P. Mohan, gab im Gespräch mit Aktivist Britto allerdings zu bedenken, dass die Bereitwilligkeit vieler Eltern, ihre Töchter in die Fabriken zu schicken, es der Regierung schwer mache, einzuschreiten. Einen Beitrag zur Aufklärung schafft in diesem Zusammenhang auch eine kritische Medienberichterstattung in Tamil Nadu, die im Fall der Unterschriftenübergabe deutlich zu registrieren war.

 

ÖsterreicherInnen gegen  Ausbeutung in Bekleidungsindustrie

 

Die Erwartungen der Organisationen, die die Petition in Österreich getragen haben, wurden mit 35.000 UnterzeichnerInnen weit übertroffen. Das Ergebnis der Kampagne hat nach Ansicht von Veronika Pernsteiner, stellvertretende Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs und Verantwortliche für die Aktion Familienfasttag, gezeigt, dass es der österreichischen Bevölkerung ein Anliegen ist, Kleidung zu kaufen, die nicht auf unfairen Arbeitsbedingungen von ArbeiterInnen im Süden basieren. In der Bekleidungsbranche in Österreich hingegen scheint das Bewusstsein für das Thema wenig ausgeprägt zu sein.

 

Kein Bewusstsein bei Unternehmen

 

Das hat eine zeitgleich zur Petition gestartete Umfrage unter österreichischen Bekleidungsunternehmen ergeben, die die Clean Clothes Kampagne im Auftrag der Katholischen Frauenbewegung durchgeführt hat: „Es gibt weder ein Bewusstsein, was die negativen Aspekte der Bekleidungsproduktion angeht, noch ein Interesse daran, solche Formen extremer Ausbeutung zu verhindern“, so die Koordinatorin der Clean Clothes Kampagne Michaela Königshofer. Die befragten Unternehmen hätten sich - sofern sie auf die Befragung überhaupt reagiert hätten – auf Verhaltenskodices berufen, die nur für ihre Endproduktionsstätten gelten. Weitere Zulieferer werden laut Königshofer jedoch nicht kontrolliert. Zu den befragten Firmen zählten Eisbär, Huber, Northland, Palmers, Schneiders, Sportalm, Tostmann, Trikot Jones, Triumph und Wolford. Fazit: die Bekleidungsindustrie arbeitet nicht transparent.

 

Neue Untersuchungen, alte Ergebnisse

 

Dieses Ergebnis bestätigt auch der im Herbst vergangenen Jahres erschienene Report des niederländischen Centre for Research on Multinational Corporations (SOMO) und des India Committee of the Netherlands (ICN) zu den Arbeitsbedingungen in der südindischen Textilindustrie. 150 Textilarbeiterinnen in fünf Spinnereien sind für die Untersuchung intensiv befragt worden – Ergebnis: die Situation der Beschäftigten hat sich nicht merkbar verbessert. Nach wie vor werden Mädchen und junge Frauen aus armen Dörfern mit falschen Versprechungen in die Spinnereien gelockt und dort unter sklavenartigen Bedingungen gehalten. Die untersuchten Spinnereien beliefern laut Bericht Unternehmen wie C&A, Mothercare, HanesBrands, Sainsbury`s und Primark.

 

Raiffeisen mit im Boot

 

Die Exportdaten weisen überdies eine direkte Verbindung zwischen den untersuchten Spinnereien und drei ausländischen Banken nach: Standard Chartered Bank (Großbritannien), Bank of Tokyo Mitsubishi und Raiffeisen. Diese Banken versorgen die Spinnereien und ihre Kunden mit Finanzdienstleistungen, haben gegenüber SOMO und ICN allerdings keine Details bekanntgegeben.

 

Die AutorInnen des Reports rufen alle an den globalen Lieferketten Beteiligten zu mehr Transparenz und Engagement dafür auf, Menschenrechtsverletzungen aufzudecken und einzuklagen, insbesondere durch die Sicherstellung der Arbeit von Gewerkschaften und zivilgesellschaftlichen Organisationen.

 

 

 

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Pressereferentin der kfbö

Mag.a Elisabeth Ohnemus

Tel: 0664-321 89 36

Email: elisabeth.ohnemus[a]kfb.at

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