Donnerstag 17. August 2017

Hochzeitskleid statt Schuluniform

 

 

[Wien, 9. Mai 2017, HP] Im Vorfeld des Muttertags am 14. Mai hat die von der Aktion Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung Österreichs mitgetragene Initiative „Mutternacht“ auf die weitreichenden Folgen von Kinderehen aufmerksam gemacht. Bei einer Pressekonferenz am 9. Mai in Wien wies die Initiative darauf hin, dass weltweit jährlich rund 15 Millionen Mädchen vor dem 18. Geburtstag verheiratet werden. Für Mädchen in 26 Ländern sei es wahrscheinlicher verheiratet zu werden  als eine Schule zu besuchen. „Die gesundheitlichen, ökonomischen und sozialen Folgen der Kinderehe weltweit – auch in Österreich – sind beträchtlich: 62 Millionen Mädchen gehen nicht in die Schule, 70.000 Mädchen, vorwiegend in Entwicklungsländern, sterben jährlich aufgrund von Komplikationen bei Schwangerschaft oder Geburt“, heißt es in der Presseaussendung der Initiative. Im Weiteren der Wortlaut der Aussendung.

 

Im Gegensatz zu Deutschland existiert über die Zahl der im Ausland geschlossenen Ehen Minderjähriger in Österreich kein Datenmaterial. Mehrere Anfragen an die zuständigen Ministerien über Ausmaß und gelebte Praxis von Ehen bei Minderjährigen in Österreich wurden bisher abschlägig beantwortet. Im Vergleich dazu  wurden in Deutschland Zahlen veröffentlicht: Mit Juli 2016 waren in Deutschland 1475 Minderjährige mit Migrations-hintergrund als verheiratet registriert, die meisten waren zwischen 16 und 18 Jahre alt.

 

„Die Verheiratung von jungen Mädchen wird in der Herkunftsfamilie oft als Sicherheits-maßnahme von den Eltern angestrebt, um die Versorgung sowie den Schutz vor Gewalt und sexuellen Übergriffen zu gewährleisten“, berichtet Monika Pinterits, Kinder- und Jugendanwältin in Wien. „Gleichzeitig werden früh verheiratete Mädchen und Buben ihrer essentiellen Rechte beraubt: Ihrem Recht, Kinder bzw. Jugendliche zu sein sowie dem Recht auf Schutz, Wahrung ihrer Interessen sowie Bildung. Der Eintritt in eine Ehe steht für die überwiegend betroffenen Mädchen sehr oft am Beginn einer Reihe von Benachteiligungen gegenüber unverheirateten Mädchen.“

 

Kinderehen sind oft Teil von Bewältigungsstrategien in Krisensituationen. Meist passiert das unter der falschen Annahme, dass die Verheiratung eines jungen Mädchens, vor allem in einer unsicheren und instabilen Notlage, schützende Effekte hat. Diese Ehen sind jedoch der direkte Weg in andere Formen geschlechtsspezifischer Gewalt. Mehr noch: Werden Kinder verheiratet, ist das lebensbedrohlich. Das Risiko, bei der Geburt eines Kindes zu sterben, ist für Mädchen unter 15 Jahren fünfmal höher als für Frauen in ihren 20ern.

 

„Mehr als 700 Millionen Frauen weltweit waren bei ihrer Hochzeit jünger als 18 Jahre. Jede dritte von ihnen war sogar jünger als 15“, berichtet Julia Alfandari, Gender-Expertin bei CARE Österreich. „Die weitverbreitete Annahme, dass von Armut betroffene Mädchen durch Kinderehen geschützt werden, entspricht nicht der Realität: Durch Kinderehen steigt die Gefahr für Mädchen Opfer von sexualisierter Gewalt zu werden, ihnen wird eine schulische Ausbildung und somit ein Recht auf eine Zukunft verwehrt, zudem sind Mädchen durch Kinderehen oftmals fatalen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt.“ Um diesem Teufelskreis ein Ende zu setzen, setzt sich CARE sowohl im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit als auch Nothilfe gegen Kinderheirat ein.

 

„Gesetzliche Rahmenbedingungen zur Verhinderung von Menschenrechtsverletzungen sind deshalb sehr wichtig“, betont Petra Bayr, Initiatorin Mutternacht u. Abgeordnete zum Nationalrat. „Dass Gesetze aber auch eingehalten werden, passiert nicht automatisch. Um Kinderehe mit allen Gefahren und Risiken zu beseitigen, braucht es vor allem einen Bewusstseinswandel in den jeweiligen Ländern. Zivilgesellschaftliche und staatliche Organisationen müssen dafür Zeit und Ressourcen in Bildung, Aufklärung und Präventionsarbeit investieren. Dabei kann es sich auch um Mittel der Entwicklungszusammenarbeit handeln, somit ist auch Österreich gefordert, einen Beitrag zu leisten.“

 

Die “Mutternacht” lädt zum Gratis-Kinoabend

 

„I Am Nojoom, Age 10 and Divorced”

Spielfilm, 96 Min, Arabische Originalversion mit englischen Untertiteln

Inhalt: Basierend auf Tatsachen erzählt die Dokumentarfilmerin Khadija Al-Salami in ihrem Spielfilm von einem Mädchen aus dem Jemen, das von ihren Eltern zwangsverheiratet und vom Mann missbraucht wird und schließlich vor dem Richter die Scheidung verlangt.

Donnerstag, 11. Mai, um 17:00 Uhr Ort: wienXtra cinemagic im Urania Kino, Uraniastr. 1, 1010 Wien Reservierung: www.mutternacht.at

Pressereferentin der kfbö

Mag.a Elisabeth Ohnemus

Tel: 0664-321 89 36

Email: elisabeth.ohnemus[a]kfb.at

Pressephotos der Vorsitzenden

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