Teilen ist eine Demonstration zukunftsfähiger Haltungen
Ansprache von Margit Hauft, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, beim Benefiz-Suppenessen für die Aktion Familienfasttag 2010 am 24. Februar 2010, in der Präsidentschaftskanzlei in der Hofburg
Verehrter Herr Bundespräsident, liebe Frau Fischer, sehr geehrter Herr Kardinal, werte Mitglieder der Bundesregierung, verehrter Herr Nuntius, dear Bishop Lobo, liebe große Gästeschar unseres heurigen Benefizsuppenessens!
Ich bedanke mich bei Ihnen allen für Ihr Kommen. Mein besonderer Dank gilt Ihnen, Herr Bundespräsident für die Einladung in die Hofburg. Die Katholische Frauenbewegung weiß es zu schätzen, dass damit die Aktion Familienfasttag in einem sehr würdigen Rahmen einmal mehr einer großen Öffentlichkeit präsentiert werden kann.
Sehr geehrte Damen und Herren, fast möchte ich noch anfügen „liebe Demonstrationsteilnehmerinnen und -teilnehmer, denn eigentlich ist dieser Abend eine offiziell angemeldete Demonstration, zu der noch dazu Sie, Herr Bundespräsident mit uns als kfb eingeladen haben. Bevor das aber zu verwirrend wird, kommen meine Gedankengänge dazu:
Sie alle, die unserer Einladung gefolgt sind, demonstrieren heute eine ganze Reihe von Haltungen, die helfen, unsere gemeinsame Welt zukunftsfähig zu machen.
Es ist zum einen die Haltung der Weltoffenheit, die nicht allein verständlichem touristischem, kulturellem oder wirtschaftlichem Interesse entspricht, sondern die Menschen und ihre jeweiligen Lebenssituationen im Blickfeld hat.
Zum anderen ist es die Haltung der Solidarität, des Wissens, dass es nur gemeinsam möglich sein wird, den Anforderungen der Weltgestaltung gerecht zu werden.
Ganz besonders aber ist es die Haltung des Teilens, für die die Katholische Frauenbewegung mit ihrer Aktion Familienfasttag steht. Es ist ein Teilen, das mehr ist als VERteilen. Ein Teilen, das von den persönlichen Kontakten bestimmt ist und aus ihnen lebt. Ein Teilen, das sich nicht nur auf die äußerst wichtigen finanziellen Ressourcen beschränkt, sondern die Lebenssituationen der Beteiligten im Blickfeld hat. Und nicht zuletzt ein Teilen, bei dem der Blick auf die Hintergründe von bestehenden Ungerechtigkeitsverhältnissen und auf Schritte zu deren Änderung Priorität hat.
Die Projekte der Aktion Familienfasttag, die dieses stärkende Teilen spiegeln, sind zahlreich und breit gefächert. Immer aber betreffen sie Frauen und damit deren gesamtes soziales Umfeld. Frauen zu fördern bedeutet immer auch Familien eine Chance zu geben und damit gesellschaftliche Veränderungen zum Besseren zu ermöglichen.
Seit die kfb 1958 die Aktion Familienfasttag ins Leben gerufen hat, steht diese älteste entwicklungspolitische Aktion der katholischen Kirche in Österreich auf drei Grundpfeilern:
- Information der Menschen in den Wohlstandsländern: bis heute gibt es jährlich eine begleitende österreichweite Bildungskampagne
- Aufruf und Motivation zum Teilen aus einer Spiritualität heraus, die zum Handeln antreibt
- Leistung konkreter Hilfe, Hilfe zur Selbsthilfe: jährlich werden etwa 130 Projekte mit den Spendengeldern gefördert, Bedarf extrem steigend!
Die Art der Hilfe ist individuell wie die Not und entsteht in ständigem Dialog mit unseren ProjektpartnerInnen.
Neben den Projekten in den Ländern des Südens wird es auch zusehends wichtiger, hier bei uns anwaltschaftlich tätig zu sein, immer wieder auf die weltweiten Zusammenhänge hinzuweisen. Und auch diese Bereitschaft demonstrieren Sie mit ihrem heutigen Hier- Sein: die Bereitschaft, auch hier in Österreich immer wieder Anwalt/Anwältin für die zu sein, die stimmlos sind, und in Ihren vielfältigen Einflussbereichen für das hohe Ziel eines „guten Lebens für alle" zu stehen.
Demonstrieren heißt aufzeigen, aufhorchen lassen, aufstehen, aber auch einstehen für Wichtiges. Danke, dass Sie sich durch Ihre Anwesenheit heute vor einer großen Öffentlichkeit zu diesen Haltungen bekennen. Sie sind damit auch eine wertvolle Unterstützung für die Tausenden von ehrenamtlichen Frauen in ganz Österreich, die derzeit die Aktion Familienfasttag einmal mehr tragen.
Bitte nützen Sie Ihre Einflussmöglichkeiten auch jenseits dieser Veranstaltung, besonders wenn es gilt, wichtige Ziele wie die 0,7 % des Bruttoinlandsproduktes für Entwicklungszusammenarbeit endlich zu verwirklichen!
Ziehen wir gemeinsam alle Register, die uns zur Verfügung stehen, und ich höre förmlich, wie das bei DIESER Gästeschar klingen würde, um der einen Welt für alle zum Durchbruch zu verhelfen.
Ich danke Ihnen allen schon jetzt für Ihr stärkendes Teilen!





