Ansprache von kfbö-Vorsitzender Margit Hauft beim Benefiz-Suppenessen im Justizministerium in Wien am 20. 2. 2008
Sehr geehrte Damen und Herren,
einmal mehr lädt die Katholische Frauenbewegung österreichweit zum Teilen ein und behauptet auch heuer wieder, dass dieses Teilen stark macht. Optisch unterstrichen wird unsere diesjährige Aktion durch ein Netzwerk von Herzen. Herzig, herzerfrischend oder zu Herzen gehend könnten wir das interpretieren, gemeint ist aber das Herz als Sitz des Mutes. Die Aktion Familienfasttag ist keine Tränendrüsenkampagne, wir als kfb setzen mit ihr erneut auf starke Frauen und riskieren damit immer wieder, auf der Liste mit Begründungen zur Teilnahme an Spendenaktionen gar nicht oder eher ganz unten aufzuscheinen.
Und doch kann ich Ihnen, besonders heuer nach einer zweiwöchigen Reise zu unseren Projekten im indischen Westbengalen bestätigen, dass wir damit auf dem richtigen Weg sind. Indien als zu förderndes Land? Immer öfter tauchen da Zweifel auf, ist es doch gerade dieser Subkontinent, der als Mekka der Hochtechnologie auf das größte Wirtschaftswachstum verweisen kann.
Ich lade Sie ein, machen Sie einen Blick ins Gangesdelta, und damit in ein Gebiet, aus dem kaum Steuereinnahmen zu erwarten sind. Ich bin mir sicher, dass Sie dort keine Landeplätze für die Segnungen des neuen Wirtschaftswunders entdecken! Dort müssen die Menschen tagtäglich der Natur ihren Lebensraum abringen, staatlich vorgesehene Förderungen finden kaum ihren Weg dorthin.
Besonders die Frauen erleben sich in der extrem patriarchalen Gesellschaft in hohem Maß als unwerte Arbeitstiere. Gesetze, die von Gleichberechtigung und Verbot von Kinderehe reden, die häusliche Gewalt als Delikt benennen und gleichen Zugang zu Bildung vorsehen, ohne Ansehen des Geschlechtes bleiben eben hier und dort nur Worthülsen, wenn ihre Durchsetzung nicht vehement und immer wieder eingefordert wird.
Die von der kfb unterstützten Selbsthilfegruppen und Sozialprogramme setzen punktgenau dort an, bei ihnen geht es nicht um das „Recht haben" sondern um
das „Recht bekommen". Die Frauen werden befähigt und ermutigt, für sich selbst und füreinander Anwältinnen zu sein. 3 Beispiele sollen verdeutlichen, wie gut das funktionieren kann:
Eine Frau rafft sich auf, die wiederkehrenden Misshandlungen durch den Ehemann bei der örtlichen Polizeistation anzuzeigen. Dort wird ihr schonend signalisiert, dass sie gegen einen Mann ohnehin keine Chance hätte und daher die Anzeige erst gar nicht machen sollte. Als am nächsten Tag die Frau mit ihrer gesamten Selbsthilfegruppe am Posten erscheint, wird der Mann augenblicklich vorgeladen und die Situation bereinigt.
Beispiel 2: In Indien sieht das Gesetz eine 30%ige Frauenquote in den politischen Vertretungen auf allen Ebenen vor. Aber, welch ein Wunder, es gibt kaum Kandidatinnen. Als sich eine Frau auf Bitten Ihrer Selbsthilfegruppe der Wahl zur Gemeinderatsvertreterin stellen will, muss sie „natürlich" die Erlaubnis ihres Mannes und der Schwiegereltern einholen. Diese fragen sie entgeistert, wie sie als dumme und unfähige Frau sich so etwas nur zutrauen könnte, niemand würde sie wählen. Als die Frau trotzdem kandidieren will, gibt es eine klare Drohung des Mannes und seiner Eltern: solltest du nicht gewählt werden, fliegst du aus dem Haus. Die Frau hat Chance und Risiko angenommen und wurde gewählt. Heute zeichnet sie für viele neue Errungenschaften im Dorf z. B. Hygienekurse, einen Brunnen und Toiletten verantwortlich und hat bereits 3 andere Frauen nachgeholt.
Und das 3. Beispiel: eine Mutter hört von einem von der kfb unterstützten Hilfszentrum für Frauen in den Slums von Kalkutta. Sie wagt es, sich dort zu melden, obwohl sie eigentlich „niemand" ist, nicht um das eigene Geburtsdatum weiß, nicht lesen und schreiben kann und sogar bei Arbeiten, die händische Geschicklichkeit verlangen nicht wirklich mithalten kann, ihr Mann hatte ihre Handflächen immer wieder auf der Herdplatte versengt. Doch die Sorge um die Zukunft ihrer Töchter macht sie stark, und im Slumzentrum von Kidderpore bekommt sie mit den Töchtern eine neue Lebenschance. Die beiden Mädchen stehen nun kurz vor der Mittleren Reife bzw. der Matura und ermutigen bereits selber wieder jüngere Frauen, sich der eigenen Kraft zu besinnen, auch wenn es Mühe kostet.
Anwältin für eine gerechte Welt zu sein braucht Mut, Geld und Kontinuität und unseren Einsatz, unsere Stimme hier und dort. Und wenn heute, zu unserer großen Freude so viele politisch Verantwortliche bei uns sind, nütze ich die Gelegenheit, sie einmal mehr daran zu erinnern, dass die 0,7% vom reichen Österreich noch immer überfällig ist! Nehmen bitte auch Sie all Ihren Mut zusammen und setzen Sie sich verstärkt für deren Verwirklichung ein!
Ich schließe mit drei Werten, die nach Ansicht der Australischen Ureinwohner DIE Grundlage für sie Gesellschaft der Zukunft sein müssen:
„Caring, Sharing und Respect!": füreinander sorgen, miteinander teilen und einander respektieren....genau das meint die kfb mit ihrer Aktion Familienfasttag, schließen Sie sich bitte an!