Druckansicht - Freitag 30. Juli 2010
Kirchliche Leit- und Leidbilder von Familie
Die katholische Kirche sah bis in die 50er Jahre des 20.Jahrhunderts den Hauptzweck von Familie in der Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft. Die personale Bedeutung, die eheliche Liebe, war sekundär. Erst das Zweite Vatikanum definierte Ehe als Bejahung einer Lebens-und Liebesgemeinschaft.

Univ.Ass. Dr. Andrea Lehner-Hartmann

Kirchliche Leit- und Leidbilder von Familie
Univ:Ass. Dr. Andrea Lehner - Hartmann schilderte bei der Sommerstudientagung 2002 der kfbö die historische Entwicklung kirchlicher Leit- und Leidbilder. Auch sie kritisierte, dass bei der Beurteilung von Ehe und Familie ständig vom Ideal ausgegangen werde, obwohl man heute vielmehr die Frage stellen müsse, ob diese Vorstellungen überhaupt lebbar seien. Familie sei keine „ewige" und „natürliche" Form des Zusammenlebens, sondern unterliege einem historischen Wandel. Quer durch die Geschichte war das familiäre Zusammenleben allerdings in unterschiedlicher Intensität und Ausformung durch die Grundstruktur einer hierarchischen Ordnung zwischen Männern und Frauen, Eltern und Kindern geprägt.

Familie – ein relativ junger Begriff
Die Religionspädagogin und Vorsitzende des österreichischen Instituts für Jugendforschung hob hervor, dass der Begriff „Familie" erst seit dem 18. Jahrhundert bekannt ist. Das Modell unserer gegenwärtig vorherrschenden Familienvorstellungen der bürgerlichen Kleinfamilie ist erst u.a. durch die Industrialisierung entstanden und hat sich aus dem bürgerlichen Ideal heraus entwickelt, in dem familiäres Zusammenleben vermehrt um die Elemente
Emotionalität und Sittlichkeit zentriert wurden.

Zweites Vatikanum definiert Ehe neu
Die katholische Kirche sah hingegen bis in die 50er Jahre des 20.Jahrhunderts den Hauptzweck von Familie in der Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft. Die personale Bedeutung, die eheliche Liebe, war sekundär. Erst das Zweite Vatikanum definierte Ehe als Bejahung einer Lebens-und Liebesgemeinschaft in Hinordnung auf das Wohl des Partners und eventueller Kinder. Ehe wird nicht mehr als ein auf göttlichem Recht beruhender Vertrag, sondern als Bund angesehen. Sexualität wird neu definiert als Ausdrucksform der Liebe. Das Zweite Vatikanum fordert eine verantwortliche Elternschaft und anerkennt die personale Würde der Kinder. Es formuliert auch ein relativ offenes Bild von Familie als Gemeinschaft, in der verschiedene Generationen zusammenleben und sich gegenseitig helfen. Johannes Paul II. sieht in der Familie eine Gemeinschaft der Eltern und Kinder, der Brüder und Schwestern, der Verwandten und sonstigen Hausgenossen.

Die Kirche hat nach Ansicht von Dr. Lehner-Hartmann genügend ideologisches Potential um für eine positive Entwicklung von Familie zum Wohle aller Mitglieder einen geeigneten Raum darzustellen. Es gelte, egalitäre Sichtweisen zwischen Frauen und Männern, eine Hinordnung zum Kind als Erziehungssubjekt und konkrete strukturelle Maßnahmen auf verschiedensten Ebenen zu entwickeln.
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