Großer Wert zum kleinen Preis
Freiwillige, unbezahlte Arbeit darf nicht länger nur mit Hingabe, Opferbereitschaft und Selbstlosigkeit gleichgesetzt werden. Sie wird nach Ansicht der Erziehungswissenschaftlerin Mag.a Dr.in Margit Schäfer immer mehr ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. „ Wir wandeln uns nahezu unmerklich von der freiwilligen zur unfreiwilligen Leistungsgesellschaft, bei der der große Wert der ehrenamtlichen Arbeit in den Dienst der Erwerbsarbeit genommen wird, damit diese zu einem kleinen Preis angeboten werden kann," erklärte Schäfer bei derzeit im slowenischen Bildungshaus Sodalitas in Tainach/Tinje stattfindenden Sommerstudientagung der Katholischen Frauenbewegung Österreichs. Sie warnte vor einer Verschiebung der bezahlten sozialen Dienstleistungen zu unbezahlten Leistung, die vor allem zu Lasten der Frauen gehen werde, da sie dann „ohne Ehre und ohne Amt für die soziale Wärme im Land sorgen sollen". Der Staat habe die Nützlichkeit und den finanziellen Wert ehrenamtlichen Engagements erkannt und betreibe nun aktiv dessen Nutzbarmachung, wie dies z.B. die Diskussion über die Anrechenbarkeit der Studiengebühren für soziale Dienste, oder um die Einführung eines verpflichtenden Sozialjahres oder eines Freiwilligenpasses zeigen.
Ersatzdienst für Studienbeiträge falsches Signal
Schäfer kritisierte vor den Leitungsteams der kfbö aus ganz Österreich und Südtirols scharf die Einführung des Ersatzdienstes für Studienbeiträge. Dadurch bekäme freiwillige Arbeit nun einen Preis von € 6,-- pro Stunde. Dies könne nicht nur eine demotivierende Wirkung auf das Ehrenamt zur Folge haben, sondern zeige auch „die Unverfrorenheit, mit der den Schutzbedürftigen, den Alten, den Kranken und den Behinderten, signalisiert wird, was sie denn wert sind, nämlich Betreuung von sechs Euro in der Stunde durch unqualifiziertes Personal".
Diese Kampagne könnte aber auch dazu führen, dass künftig Menschen in kirchlichen Organisationen Ersatzdienst für den Kirchenbeitrag leisten, oder jene die sich sportlich um die Volksgesundheit kümmern Gutscheine für Hallenbäder und Schilifte erhalten. Viele Frauen möchten dann auch ihr soziales Engagement für die Pension anrechnen lassen.
Freiwilligenarbeit wird Wettbewerbsvorteil
Der Wert einer ehrenamtlichen Tätigkeit wird zunehmend mehr von ihrer Verwertbarkeit bestimmt, stellte die vor allem in der Ausbildung von Pflegepersonal in Tirol tätige Referentin fest. Denn angesichts einer verheerenden Arbeitsmarktsituation müsse sich auch ehrenamtliche Arbeit rentieren. „Sie wandelt sich unmerklich von einem freiwilligen Engagement zu einem Wettbewerbsvorteil. Der Freiwilligenpass, der vor drei Jahren eingeführt wurde, suggeriert auch diese Zweckmäßigkeit: wer sich ehrenamtlich engagiert, ist für den Arbeitsmarkt wertvoller, hat also mehr Aussichten eine Arbeitsstelle und damit eine Existenzsicherung und Zukunftsperspektiven zu erlangen." Außerdem nütze der zunehmende Einsatz von PraktikantInnen vielen Organisationen.
Das Ehrenamt muss deshalb nach Ansicht von Mag.a Dr.in Margit Schäfer im Kontext des gesamten Volumens von Arbeit gesehen werden. Die Organisationen, in denen Ehrenamtliche arbeiten, müssen ihren Stellenwert mit einem Selbstvertrauen darstellen, das über die Aufrechnung von Stundenlöhnen und Angestelltenverhältnissen hinausgeht.















