Dr.in Grete Schmidt verstorben
„Grete Schmidt hat das Ideal der einen Welt stets selbstbewusst und mit erhobenem Haupt, aber nie mit erhobenem Zeigefinger vertreten. Deshalb ist es ihr gelungen, viele Menschen für die Aktion Familienfasttag zu begeistern und die wichtigen Anliegen unserer Projektpartnerinnen in Asien und Lateinamerika verständlich zu machen. Ihr reichhaltiges, profundes Fachwissen hat sie uns allen immer in großartiger, vielfältiger Weise zur Verfügung gestellt, ohne je belehrend zu sein", betont die Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, Margit Hauft.
Dr.in Anja Appel, Referentin für entwicklungspolitische Bildungsarbeit und Anwaltschaft in der kfbö hat mit Dr.in Grete Schmidt bis zuletzt zusammengearbeitet. In einer ersten Reaktion auf die Todesnachricht stellt sie fest: „Wir haben mit Grete Schmidt nicht nur das ‚Urgestein' der Aktion Familienfasttag, sondern eine fröhliche und konsequente Mitstreiterin für die Rechte der Frauen und für weltweite Solidarität verloren."
Hildegard Tiefenthaler, langjährige ehemalige Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung der Diözese Innsbruck, hebt die große Bedeutung der Verstorbenen für die Erwachsenenbildung in der Diözese, ganz besonders für die Bildung der Frauen hervor. Weit über die Grenzen des Landes wurde Dr.in Schmidt jedoch auch mit den von ihr geleitetet Bildungsreisen bekannt.
In Tirol zweite Heimat gefunden
Grete Schmidt wurde am 20.Dezember 1921 in Preßburg geboren. Nach der Matura am deutschen Gymnasium studierte sie in Prag Geschichte und Germanistik, besuchte aber auch Vorlesungen über Kunstgeschichte und Theologie. 1944 promovierte sie zur Doktorin der Philosophie, übernahm einen Forschungsauftrag der Akademie der Wissenschaften in Prag und wollte die akademische Laufbahn einschlagen. Die Kriegswirren nötigten sie jedoch mit ihren Eltern zur Flucht, die sie nach Tirol führte. Als Jugendleiterin in einer Innsbrucker Pfarre verdiente sie sich 1946 ihr erstes Geld in Österreich und begann damit ihre kirchliche Laufbahn. 1947 heiratet sie und bekommt in den Folgejahren drei Kinder.
1954 übernahm sie im Frauenreferat der Diözese Innsbruck die Leitung der Mütterwerkwochen. Nach der Geburt ihres dritten Kindes im Jahr 1956 schied sie jedoch wieder aus dem kirchlichen Dienst aus und wirkte in Folge als ehrenamtliche Mitarbeiterin.. Ihr Bestreben, alles kompetent zu erledigen, motivierte sie zum Studium der Androgogik-Erwachsenenbildung an der Universität Innsbruck.
Als junge Mutter engagierte sie sich in der Katholischen Frauenbewegung. Ihr Weg führte von der pfarrlichen Rundenleiterin über die Dekanatsleiterin zur stellvertretenden Vorsitzenden der kfb der Diözese Innsbruck. Von 1978 bis 1986 war sie stellvertretende Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs. Seit der Gründung der Aktion Familienfasttag im Jahr 1958 bestimmte Grete Schmidt maßgeblich deren Entwicklung. Sie beurteilte die Projektauswahl, betreute in Tirol Stipendiatinnen, zog unermüdlich durch das ganze Land, um eine globale Sicht der Probleme zu bewirken und um die Solidarität mit den Menschen in den armen Ländern der Welt zu fördern. Ihre Reisen nach Indien und ihr starkes Frauenbewusstsein führten dazu, dass sich Grete Schmidt immer mehr für globale Gerechtigkeit und Chancengleichheit von Frauen einsetzte. So stellte sie die entscheidenden Weichen mit, dass sich die Aktion Familienfasttag von der Hungerhilfe zur ersten österreichischen Initiative für frauenspezifische Entwicklungszusammenarbeit entwickelte. Bis zuletzt wirkte sie im Bildungsarbeitskreis der Aktion Familienfasttag mit.
Neben ihrem umfangreichen Engagement für die kfb übernahm sie 1990 die ehrenamtliche Leitung der Koordinierungsstelle für Ost- und Mitteleuropa.
Ihr Engagement wurde mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt, wie z.B. dem Verdienstkreuz des Landes Tirols und dem Goldenen Ehrenzeichen der Diözese Innsbruck.


