Sozialpolitischer Meilenstein schafft Familien zweiter Klasse
08.10.2003
Katholische Frauenbewegung Österreichs lehnt Betriebsgröße als Faktor für Recht der Eltern auf Teilzeitarbeit ab Regierung unterstützt Wirtschaftsinteressen mehr als Wohl des Kindes und der Eltern
"Das Recht auf Teilzeit für Eltern ist nur dann ein sozialpolitischer Meilenstein, wenn es für alle Mütter und Väter gilt. Es kann nicht sein, dass der Zufallsfaktor Betriebsgröße die Familien in zwei Klassen spaltet. Da wird der Meilenstein zum Hindernis für Eltern, die Familie und Beruf bestmöglich vereinbaren wollen." Dies betont die Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, Margit Hauft, am Mittwoch, 8.Oktober, in einer Stellungnahme zum Ministerratsbeschluss über das Recht auf Teilzeitarbeit für Eltern. "Dieses Übereinkommen von ÖVP und FPÖ ist keine wünschenswerte Ermunterung zum Kind, denn es benachteiligt vor allem einen Großteil der Frauen. Außerdem macht es leider wieder einmal deutlich, welch geringes Gewicht das wichtige Ressort Frauenpolitik auch in dieser Regierung hat."
Die Regierung will nur jenen Eltern, die mindestens drei Jahre ununterbrochen in einem Betrieb ab 21MitarbeiterInnen tätig sind, einen gesetzlich verankerten Anspruch auf Teilzeitarbeit bis zum 7. Geburtstag des Kindes zugestehen. Damit ist fast die Hälfte aller ArbeitnehmerInnen von dieser Regelung ausgeschlossen. "Da auch kein pensionsrechtlicher Ausgleich für Teilzeitarbeit wegen familiärer Verpflichtungen vorgesehen ist, werden vermutlich Väter von ihrem möglichen Rechtsanspruch wegen zu hoher finanzieller Einbußen nicht Gebrauch machen. Partnerschaftliche Arbeitsaufteilung wird somit nicht ausreichend gefördert. Nach wie vor fehlen Maßnahmen, die Männer ermutigen, Erziehungs- und Betreuungsaufgaben in der Familie wahrzunehmen", bedauert die kfbö-Vorsitzende Margit Hauft. Sie hofft, dass das Begutachtungsverfahren und die parlamentarische Behandlung noch ein Umdenken der Regierung und der Wirtschaft bewirken.