Saturday 4. February 2012

Anonyme Geburt verhindert keinen Babymord

12.06.2003
ExpertInnen ziehen in der österreichischen Frauenzeitschrift "Welt der Frau" nach zweijähriger Praxis kritische Bilanz über Geburt ohne Angabe der Eltern ­ Informationsbrief mit Herkunftsdaten könnte später massive Probleme der "Findelkinder" lindern.
BefürworterInnen der anonymen Geburt argumentieren: Da geht es um Leben und Tod. Verzweifelten Frauen in höchster Not muss geholfen werden. Für Univ. Prof. Dr. Martin Langer vom AKH in Wien sind zwei Mord an Neugeborenen anfangs dieses Jahres allerdings der Beweis, dass verzweifelte Frauen häufig nicht erreicht werden, denn die Kindesmorde passierten in einer niederösterreichischen Region, in der mehrere geburtshilfliche Abteilungen die anonyme Geburt anbieten. Im Gespräch mit der österreichischen Frauenzeitschrift "Welt der Frau" tritt der Gynäkologe für eine "psychotherapeutische und sozialarbeiterische Beratung und Betreuung und die legale Adoption" ein. Darin sieht er "die einzigen Möglichkeiten, um die leidvollen Auswirkungen für die abgebende Mutter und ihr Kind möglichst gering zu halten".
Die Linzer systematische Familientherapeutin Rita Haase rät Müttern, die ihr Kind abgeben oder anonym gebären, einen Brief mit Informationen über die Herkunftsfamilie zu hinterlegen. So werden massive Probleme, die beim jungen Menschen auf der Suche nach seinen Wurzeln auftreten können, gelindert. Nach Ansicht der Therapeutin bietet die anonyme Geburt "kurzfristig und sehr vordergründig" die Möglichkeit, ein Problem abzugeben. Der Schmerz über den Verlust holt jedoch früher oder später diese Frauen ein. Rita Haase fordert deshalb mehr Angebote zur Begleitung und Unterstützung für abgebende Mütter.
In der Juni-Ausgabe von "Welt der Frau" wird auch die Situation von allein lebenden Frauen unter die Lupe genommen. Sie entdecken zunehmend den Wert der Eigenständigkeit und schätzen einen passenden Freizeitpartner mehr als einen Ehemann.
Wie erfolgreich und zufriedenstellend das Leben einer unverheirateten Frau sein kann, beschreibt die ehemalige Nationalbankpräsidentin Dr. Maria Schaumayer im Gespräch mit "Welt der Frau".

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