Saturday 4. February 2012

Nachhilfeunterricht über Frauenleben für Pensionsreformer

09.04.2003
Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, Margit Hauft, kritisiert Kommentar von Univ. Prof. Theodor Tomandl über "Frauen in der Pension"
Einen Nachhilfeunterricht über konkretes Frauenleben für Pensionsreformer hält die Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, Margit Hauft, für dringend notwendig. Der in der "Kronenzeitung" am 8.April veröffentlichte Gastkommentar von Univ. Prof. Dr. Theodor Tomandl über "Frauen in der Pension" entlarvt nach Ansicht der Vertreterin der größten österreichischen Frauenorganisation patriarchale Denkmuster und macht deutlich, "wie sehr sich Wissenschaft und Politik vom realen Leben entfernen können".

"Wie ist es möglich, dass ein Experte in seiner Argumentation zur Pension als 'einzigen Unterschied, der tatsächlich auf das Geschlecht zurückzuführen ist' nur die höhere Lebenserwartung von Frauen anerkennt? Wieso kann der Vorsitzende der Pensionsreformkommission in der gravierenden Einkommensschere zwischen Männern und Frauen ein Argument sehen, das die Verhältnisse 'verschleiert'? Welche Daten hatte die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission als Basis für ihre Überlegungen, wenn Tomandl feststellt, dass es 'erfreulicher Weise' auch 'viele gut verdienende Frauen' gäbe", fragt sich Margit Hauft.

Im publizierten 'Gedankenexperiment' des Fachmanns findet sie keine Antworten auf diese Fragen, jedoch vielleicht eine Erklärung, warum Frauen aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung keine hohe Alterssicherung erwarten könnten, denn Prof. Tomandl schreibt: "Was würde geschehen, wenn alle Pensionisten Frauen wären? Wir würden wesentlich mehr Geld benötigen, da wir die Pensionen für eine längere Zeit finanzieren müssen. Umgekehrt, wären allen Pensionisten Männer, könnten wir die Beiträge erheblich senken."


Leben wie ein Mann bringt Vorteile für Frauen

Bedenklich findet die kfbö-Vorsitzende auch die vermutlich mangelnde Kenntnis über die vielfältige Lebensrealität von Frauen sowie das Ausblenden von Doppel- und Mehrfachbelastung berufstätiger Mütter. Denn der Universitätsprofessor unterscheidet in seinem Kommentar nur zwischen jenen, "die Kinder erziehen und Angehörige pflegen und daher ihre Berufstätigkeit für längere Zeit unterbrechen müssen" und "auf der anderen Seite kinderlose Frauen, die ein Berufsleben wie Männer führen".
Als ein vielleicht unbewusst geliefertes Eingeständnis, dass Männer häufig privilegiert sind, empfindet Hauft Tomandls Erkenntnis: "Jene Frauen, die ein Leben wie Männer führen, sind eindeutig bevorzugt." Deshalb sind seiner Ansicht nach Frauen in der Pensionsversicherung keineswegs benachteiligt. Allerdings sieht auch er ein Manko: Für jene Personen, die Kinder erziehen und Angehörige pflegen, wurde zu wenig getan, und zwar gleichgültig, ob es sich dabei um Männer oder Frauen handelt. "Wie viele Kinder erziehende und Alte pflegende Männer sind davon wohl betroffen ", fragt sich Margit Hauft.

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