Überhöhte Idealvorstellungen von Familie und die Fixierung auf tradierte Rollenbilder will die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö) überwinden. In einem am Donnerstag, 9. August 2002, veröffentlichten „Familienmanifest" werden Schwerpunkte zur Schaffung von partnerschaftlich gestalteten familialen Lebensräumen genannt, für deren Verwirklichung sich die kfbö einsetzt. So sagt die größte Frauenorganisation des Landes nicht nur „Ja zum Kind", sondern fordert auch Maßnahmen, die es Frauen und Männern ermöglichen, „zeitgleich Familien- und Erwerbsarbeit zu leisten". Eine familienorientierte Arbeitswelt und familiengerechte Arbeitszeit sind dafür ebenso notwendig wie Maßnahmen zur optimalen familiären und außerhäuslichen Kinderbetreuung.
Väterkarenz und Kindergeld ausbauen
Da die primäre Erziehungsaufgabe bei den Eltern liegt, muss deren Erziehungskompetenz auf- und ausgebaut werden. Dafür sind Bildungsangebote sicherzustellen.
Damit auch Väter eine enge Beziehung zum Kind aufbauen und ihrer Verpflichtung zur Kinderbetreuung nachkommen können, tritt die Katholische Frauenbewegung für einen Ausbau der Väterkarenz (Verpflichtung, erweiterter Kündigungsschutz...) ein. Um finanzielle Nachteile zu vermeiden, sollte das Kindergeld bei erwerbstätigen Müttern und Vätern durch einen vom Einkommen abhängigen Zuschuss ergänzt werden.
Eigenständige Alterssicherung
Eine eigenständige Alterssicherung z. B. durch die Ausweitung von Pensionsersatzzeiten und durch ein Grundeinkommen soll verhindern, dass die Familienarbeit von Frauen zur finanziellen Abhängigkeit vom Partner bzw. zur Verarmung im Alter führt.
Beziehungs- und Versorgungsarbeit gerecht teilen
Partnerschaft gründet auf eigenständigen Persönlichkeiten, betont die kfbö in ihrem Familienmanifest. „Partnerschaftliche Familien brauchen deshalb Menschen, die fähig sind, abseits von tradierten Rollenbildern Beziehungs- und Versorgungsarbeit untereinander gerecht aufzuteilen."
Prinzipiell ist „Familie in ihren vielfältigen Ausprägungen" für die Katholische Frauenbewegung „ein unverzichtbarer Wert". Denn „jeder Mensch braucht familiale Lebensräume, geprägt von Stabilität und Liebe und keine überhöhten Ideale". Für die Katholische Frauenbewegung ist „Familie überall dort, wo Menschen mehrerer Generationen in einer auf Dauer angelegten und von Verantwortung getragenen Beziehung miteinander leben." Die auf Ehe gegründete Familie hat für die kfb aber einen besonderen Stellenwert, weil sie nicht nur ein Vertrag, sondern auch Sakrament ist. „Aber das Ja zum Du wird nur gelingen, wenn sich das Ich frei und unabhängig entscheiden und als eigenständige Persönlichkeit entwickeln kann."
Das „Familienmanifest" beruht auf dem Ergebnis der Sommerstudientagung der kfbö, die im Juli 2002 in Schloss Seggau in der Steiermark stattfand.




