Rabbinerin sucht Dialog mit ChristInnen
Die erste Rabbinerin in Österreich, Univ. Prof. Dr. Eveline Goodman-Thau, will den Dialog zwischen Jüdinnen und Christinnen fördern. Bei der Sommerstudientagung der Katholischen Frauenbewegung Österreichs unterstrich sie wie wichtig für katholische Frauen die Auseinandersetzung mit dem Judentum, mit den Wurzeln des Glaubens sei.
Die Rabbinerin der jüdisch-liberalen Gemeinde Or Chadasch in Wien erklärte den Führungskräften der kfbö die Bedeutung der biblischen Texte, der Gebete und Festtage im Judentum. Ausführlich setzte sie sich mit der Gestaltung des Shabbats auseinander und lud die Katholikinnen zum gemeinsamen Beten und Singen von jüdischen Shabbattexten und Liedern ein.
„Ich will niemand zum Judentum bekehren, aber ich will aus euch gute Christinnen machen, sodass ihr die Juden in Ruhe lässt", betonte Goodman-Thau am Dienstag, 10.Juli 2001, im Bildungshaus St.Hippolyt in St.Pölten. Die in Israel lebende und seit 20 Jahren in Deutschland lehrende Professorin für jüdische Philosophie und Geistesgeschichte wurde 1934 in Wien geboren und konnte 1938 in der Zeit des Nationalsozialismus mit ihrer Familie nach Holland fliehen. Als Überlebende des Holocaust will sie ihr eigenes Leben so gestalten, dass sie jenen gerecht wird, die Opfer der Judenverfolgung wurden. So sind ihr die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, die Reflexion des persönlichen Verhaltens zur Zeit des Nationalsozialismus und das Verständnis für das Judentum wichtige Anliegen. Der Dialog zwischen den Generationen, zwischen Großmüttern, Müttern und Töchtern über den Holocaust und über die persönliche Beziehung zum jüdischen Volk scheint ihr unerlässlich. Denn Verdrängen und Schweigen belastet nach Ansicht der Rabbinerin das familiäre Klima.
Im jüdischen Festkreis spielt die Erinnerung an die Vergangenheit eine große Rolle. „Das jüdische Volk lebt aus seiner Geschichte", betonte Goodman-Thau. Dabei gehe es jedoch nicht um historische Fakten, sondern um die Erinnerung, um die Vergegenwärtigung von entscheidenden Ereignissen und deren aktuellen Bezug auf die Gegenwart, auf das
persönliche Leben.
Das Jahresthema der Katholischen Frauenbewegung Österreichs „Zukunft braucht Vergangenheit" wird im Rahmen der Sommerstudientagung unter dem Aspekt „In Vielfalt Glauben feiern" fortgesetzt. 100 Führungskräfte der kfb aus ganz Österreich sowie aus Südtirol suchen in dieser Woche gemeinsam mit ExpertInnen nach einer zeitgemäßen Interpretation und Gestaltung von Riten, Symbolen und Zeichen. Als erste Hauptreferentin legte die Rabbinnerin Eveline Goodman.Thau die „Wurzeln unserer Religion, unseres Glaubens unseres Feierns" dar.







