31.01.2001
Die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö) resigniert nicht angesichts des Stillstandes in der Diskussion um die Zulassung von Frauen zu Weiheämtern in der katholischen Kirche. "Wir lassen nicht nach bei unserem Einsatz für eine gleichberechtigte und partnerschaftliche Teilhabe der Frauen am Leben der Kirche," betonte die Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, Margit Hauft, am Mittwoch, 31. Jänner 2001 bei einem Pressegespräch in Wien. So fordert die kfbö die Errichtung von Frauenkommis-sionen mit Entscheidungskompetenz in allen Diözesen sowie auf Österreichebene und verlangt die Zulassung von Frauen zu allen Diensten der Kirche. Entschieden wird jeder Versuch einer Tabuisierung der Weiheämter für Frauen abgelehnt. Vor allem die Zulassung von Frauen zur Weihe als Diakonin sollte "qualifiziert und ernsthaft" vorangetrieben werden, "um Frauen bei derem pastoralen Einsatz, wie z.B. in der Krankenseelsorge, zu stärken", betonte Hauft.
Die kfbö-Vorsitzende trat auch für die stärkere Mitgestaltung von Frauen bei liturgischen Feiern ein. Die "weibliche liturgische Handschrift" sollte nicht nur bei Frauenliturgien, sondern immer mehr im Gemeindegottesdienst spürbar werden. Sie plädierte auch für einen von der Kirchenleitung offiziell anerkannten "Frauenleseplan", der mit relevanten Bibelstellen für Frauen durch das Kirchenjahr begleitet.
Ingrid Klein: Stillstand in Frauenfragen in Kirche und Gesellschaft
Die langjährige, ehemalige kfbö-Vorsitzende Ingrid Klein beklagte bei dem Pressegespräch einen Stillstand in Frauenfragen sowohl in der Kirche als auch im politischen - öffentlichen Raum. Vor mehr als zehn Jahren hatten die größten katholischen Frauenorganisationen im deutschsprachigen Raum gemeinsam in einem Faltblatt die gleichberechtigte Mitwirkung der Frau in der Kirche gefordert. 2001 werden Frauen in der katholischen Kirche zwar als gleichwertige, jedoch noch immer nicht als eigenständige und gleichberechtigte Menschen angesehen, bedauerte Klein. Frauen prägen zwar den Alltag in der Kirche, sind weitgehend als Seelsorgerinnen akzeptiert und oft zahlreich in Gremien, wie z.B. dem Pfarrgemeinderat vertreten, verfügen aber selten über Leitungs- und Entscheidungsbefugnisse. Frauen werden nach Ansicht von Ingrid Klein zwar als Mit-Arbeiterinnen auf allen kirchlichen Ebenen gern gesehen, aber selbstbewusst und selbstständig agierende Frauenorganisationen werden kaum gewollt. Die organisierte kirchliche Frauenarbeit sei deshalb heute schwieriger als vor zehn Jahren. "Die Kirche braucht aber die Wirkkraft einer großen Frauenorganisation genauso wie die Arbeitskraft einzelner Frauen", hoben Margit Hauft und Ingrid Klein hervor.




