60 Jahre Katholische Frauenbewegung Österreichs
Margit Hauft – Vorsitzende der kfbö
Unser Jubiläum steht unter dem Motto „die Kraft ist weiblich“. 60 Jahre Katholische Frauenbewegung Österreichs belegen, dass dieses Motto keine leere Phrase ist. Die Katholische Frauenbewegung hat sich immer den jeweiligen Herausforderungen der Zeit gestellt und mit aller Kraft für die Frauen eingesetzt.
Das Motto ist für uns aber auch ein Impuls für die Zukunft, denn für eine partnerschaftliche, frauengerechte Weltgestaltung fehlt noch vieles. Gesetze können Gleichstellung und Partnerschaft zwar festschreiben, aber keineswegs immer in die Praxis umsetzen. So müssen wir seit Jahren immer wieder die gleichen Forderungen auf unsere Fahnen heften, aber wir werden nicht müde und lassen uns nicht entmutigen, weil wir auf die Geistkraft Gottes vertrauen.
Öffnung und Weiterentwicklung kirchlicher Weiheämter für Frauen
So lassen wir nicht nach bei unserem Einsatz für eine gleichberechtigte und partnerschaftliche Teilhabe der Frauen am Leben der Kirche. Die Katholische Frauenbewegung Österreichs lehnt jede Tabuisierung der kirchlichen Weiheämter für Frauen entschieden ab. Gemäß des christlichen Grundsatzes der gleichen Würde von Mann und Frau setzen wir uns für eine Öffnung und Weiterentwicklung der kirchlichen Weiheämter ein. Im 21. Jahrhundert muss sich die Kirche offensiv der Frage der Zulassung von Frauen zu Weiheämtern stellen, die theologische Forschung darüber intensivieren und den Dialog darüber fördern.
Die Zulassung von Frauen zur Weihe als Diakonin sollte qualifiziert und ernsthaft vorangetrieben werden. Bereits 1972 haben wir uns mit diesem Anliegen an die Bischofskonferenz gewandt. Heute ist diese Forderung aktueller denn je, denn immer mehr Frauen wirken als Seelsorgerinnen in der Kirche. Da in der Bibel von den ersten christlichen Gemeinden bezeugt wird, dass Frauen als Diakoninnen und Apostolinnen wirkten, sollte als erster Schritt jenen Frauen, die bereits haupt- und ehrenamtlich in der Kirche als Seelsorgerinnen wirken, der Zugang zum ständigen Diakonat ermöglicht werden.
Eigenständige Alterssicherung für Frauen
Als Katholische Frauenbewegung erheben wir unsere Stimme nicht nur zum Thema Frau und Kirche. Als größte Frauenorganisation des Landes fordern wir auch eine effiziente Frauenpolitik, deren Ziel nicht nur die Gleichstellung, sondern vor allem auch die eigenständige Existenzsicherung der Frau sein muss. Angesichts der zunehmenden Gefahr der Verarmung von Frauen im Alter ist die eigenständige Alterssicherung für Frauen eine unaufgebbare Forderung der kfbö.
Leider geben sich Frauen allzu oft mit einer Zuverdienstmöglichkeit zufrieden, um das finanzielle Auskommen der Familie zu gewährleisten, und vergessen dabei ganz auf ihre eigene Existenzsicherung. Sie entscheiden sich noch immer häufig für traditionelle, schlecht bezahlte, typische Frauenberufe, vernachlässigen Weiterbildung und planen zu wenig ihre Berufskarriere.
Wahlfreiheit bei der Lebensgestaltung von Frauen
Die kfbö hat immer ein Fraueneinheitsbild ablehnt und sich nie auf „Kinder, Küche, Kirche“ beschränkt. Bereits 1948 war die erste der bis heute alljährlich stattfindenden Sommerstudientagungen der kfbö dem thema gewidmet: „Die religiöse Gegenwartslage und die Aufgaben der Frau in Familie, Beruf und öffentlichem Leben.“ Die Katholische Frauenbewegung haben uns immer für das Aufbrechen von überkommenen Rollenbildern eingesetzt.Iin ihren Gruppen kommen Frauen in unterschiedlichen Lebenformen und Lebenssituationen zusammen. Auch zeitgemäße Politik muss darauf Rücksicht nehmen, dass Frauen vielfältige Lebenskonzepte haben. Mutterschaft und Selbstverwirklichung dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Jeder Mensch hat ein Recht auf Selbstverwirklichung, die nichts mit Egoismus und Entsolidarisierung zu tun hat.
Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Frauen fordern deshalb heute zu Recht die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen für gelebte Partnerschaft und gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit.
Vielfältige Maßnahmen sind dafür notwendig.
Wir fordern:
- Rahmenbedingungen, die Paaren das Ja zum Kind ermöglichen
- flächendeckende, qualitätsvolle Kinderbetreuung in vielfältigen Formen
- Arbeitszeitmodelle die es Frauen und Männern ermöglichen zeitgleich Familien-und Erwerbsarbeit partnerschaftlich zu leisten
- ein neues Bewusstsein für Väterverantwortung
- Maßnahmen, die Männer ermutigen ihre Erziehungs- und Betreuungsaufgaben wahrzunehmen, wie z.B.
- das Recht auf Karenzzeit für berufstätigeVäter gleich nach der Geburt ihres Kindes – Vaterschutzmonat genannt und
- einkommensabhängiges Kinderbetreuungsgeld
Die Sorge für die Generationen muss auch ein Teil der Männerarbeit werden. Altenbetreuung, Pflege und Sterbebegleitung sind auch Pflichten für Söhne und Schwiegersöhne, nicht nur für Töchter und Schwiegertöchter.
Neudefinition des Arbeitsbegriffes
Eine gerechte Verteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit erfordert eine Neudefinition und Erweiterung des Arbeitsbegriffes.
Staatliche Anerkennung ehrenamtlicher Arbeit
Immer häufiger wird ehrenamtliches Engagement von den BürgerInnen und Bürgern dieses Landes gefordert. Die Mitglieder der Katholischen Frauenbewegung sind dafür sehr aufgeschlossen und engagieren sich in vielfältigen Bereichen nicht nur innerhalb der Kirche. Entschieden wendet sich die kfbö aber gegen alle Tendenzen, die den Staat und die Körperschaften aus ihren sozialen Verpflichtungen entlassen und der Schaffung von bezahlten Arbeitsplätzen durch ehrenamtliche Arbeit entgegenwirken.
Die Katholische Frauenbewegung setzt sich seit Jahren für eine staatliche Anerkennung und Aufwertung ehrenamtlicher Arbeit ein. Sie fordert, dass ehrenamtliche Arbeit auf die Pension angerechnet wird und einen Steuerabsetzbetrag bewirkt.
Der Freiwilligenpass muss aufgewertet und somit als Dokument für die Anrechnung verwendet werden. Denn der Ausweis dient derzeit nur der Aufzeichnung geleisteter Freiwilligenarbeit und unterstützt somit nur das Erinnerungsvermögen.
Das Ehrenamt darf nicht nur unter dem Aspekt sozialer Leistung gesehen werden. Gesellschaftliches Engagement, z.B. in der ehrenamtlichen Leitung von Frauengruppen und in der vielfältigen Bildungsarbeit, müsse genauso geschätzt werden wie Rettungsdienste. Die kfbö bedauert, dass in dem Kriterienkatalog für die Einreichung zum staatlichen Ehrenamtspreis keine Kategorie dafür vorgesehen ist





