Pfarrgemeinderatswahl: Kein Grund zum Jubel
Das Ergebnis der Pfarrgemeinderatswahl ist für die Katholische Frauenbewegung Österreichs kein Grund zur reinen Freude, sondern vielmehr ein Anlass zur Besorgnis. Der Rückzug der Männer aus diesem Gremium ist ein deutliches Zeichen dafür, wie schwierig es ist, dass Frauen und Männer, Laien und Amtsträger miteinander Kirche tragen und gestalten. Die bei österreichweit durchschnittlich 55 Prozent liegende hohe Frauenquote ist noch kein Beweis für eine wachsende Frauenfreundlichkeit der Kirche, sondern ein Signal dafür, dass dieses Gremium für Männer zusehends unattraktiver wird. Vielen fehlt Entscheidungskompetenz, selbstständiges Arbeiten, partnerschaftliches Miteinander. Denn der Pfarrgemeinderat ist nur ein Beratungsgremium, in dem die Letztentscheidung der Pfarrer hat.
Die Bundesleitung der Katholischen Frauenbewegung Österreichs ermutigt deshalb die gewählten Frauen danach zu trachten, dass sie klar definierte Arbeitsbereiche im Pfarrgemeinderat übernehmen. Dabei sollten sie sich nicht auf traditionelle weibliche Aufgabengebiete, wie z. B. Caritas, Kinder- und Jugendarbeit, Seniorenbetreuung, Krankenbesuchsdienst, beschränken, sondern selbstbewusst ihre Finanz- und Leitungskompetenz unter Beweis stellen.
Die katholische Kirche kann erst dann als frauenfreundlich bezeichnet werden, wenn sie Frauen als gleichberechtigte Partnerinnen und nicht nur als fleißige Helferinnen akzeptiert.